Krippen: Knirpse hüten kostet

Laut GEW gefährden die neuen Tarife im öffentlichen Dienst die Krippenpläne der Regierung: Erzieherinnen werden immer schlechter bezahlt.

Gören erziehen kann ein Knochenjob sein. Bild: dpa

Auf den ErzieherInnen in Deutschland lasten große Erwartungen. Sie sind es, die dafür sorgen sollen, dass Eltern schon ihre ein- und zweijährigen Kinder der Kita anvertrauen. Was nur gelingt, wenn gute, motivierte PädagogInnen die Knirpse betreuen. Doch die Wertschätzung ihrer Arbeit ist, wenn man sich Verträge und Gehälter ansieht, nicht gestiegen, sondern gesunken. Ihre Löhne wurden niedriger, und viele von ihnen arbeiten in unsicheren Zeitverträgen. Darauf machte gestern die Bildungsgewerkschaft GEW aufmerksam.

Das Krippen-Ausbauprojekt von Familienministerin Ursula von der Leyen sieht Norbert Hocke vom GEW-Vorstand deshalb in Gefahr: "Wenn die Arbeitsbedingungen und Bezahlung der Erzieherinnen nicht so schnell wie möglich verbessert werden, platzen ihre Pläne", urteilt er. Für die geplanten 500.000 neuen Krippenplatze würden nach Rechnung der GEW 100.000 ErzieherInnen gebraucht. Schon jetzt aber hätten viele Einrichtungen in Ballungsgebieten wie Frankfurt am Main und München Probleme damit, qualifizierte Kräfte zu finden. "Wir brauchen attraktive Rahmenbedingungen, damit sich mehr junge Menschen für den Erzieherberuf entscheiden", forderte Hocke.

Neben einer universitären Ausbildung für die PädagogInnen müsste schon heute die Bezahlung den realen Anforderungen angeglichen werden. "Die Erzieherinnen sind bei all den Qualitätsoffensiven und neuen Bildungsplänen massiv in Vorleistung gegangen", betont Hocke. "Nun wollen sie für all diese neuen Tätigkeiten auch angemessen bezahlt werden." Ohnehin werde der Beruf immer noch als "Lebensphase junger Frauen zwischen Heirat und Geburt des ersten Kindes" betrachtet, die wenig besondere Qualifikation benötige, so Hocke. Doch mittlerweile sei eine fünfjährige Ausbildung vonnöten. "Dafür stimmt die Bezahlung hinten und vorne nicht."

Besonders ärgerlich sei nun, dass mit der Einführung des neuen Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst (TVöD) die Bezahlung der ErzieherInnen noch schlechter geworden ist als im alten Bundesangestelltentarifvertrag. Dabei hatte man den Beschäftigten das neue Tarifrecht damit schmackhaft gemacht, dass alte Diskriminierungen aus dem BAT getilgt würden. Insbesondere die ErzieherInnengehälter sind schon lange in der Kritik, weil die hohe soziale Kompetenz und Verantwortung der ErzieherInnen sich in deren Lohn nicht wiederfindet. In den bisher geltenden Übergangstarifen für den TVöD finden sich ErzieherInnen zwei Gehaltsstufen unter den Technikern wieder, die formal aber eine vergleichbare Ausbildung durchlaufen. Im Vergleich zum alten BAT bekommen neu eingestellte ErzieherInnen nun bis zu 400 Euro weniger im Monat. Ihr Höchstgehalt, das sie nach einigen Jahren erreichen können, gleicht dem Einstiegsgehalt eines Technikers in der Baudenkmalpflege. Über 90 Prozent der dort Arbeitenden sind Männer, während es im Erziehungswesen umgekehrt ist, fast 97 Prozent der ErzieherInnen sind Frauen. Genau solche indirekten Diskriminierungen wollte das Innenministerium mit dem neuen TVöD ausdrücklich aufheben. Das Gegenteil ist passiert.

Die GEW möchte dies in der nächsten Tarifrunde im Januar 2008 ändern. Dabei muss sie sich nicht nur mit den Arbeitgebern herumschlagen, sondern auch mit der Gewerkschaft Ver.di, mit der sie eine Tarifgemeinschaft für die Verhandlungen bildet. So musste mit Mitgliedern der Tarifabteilung bereits diskutiert werden, ob soziale Kompetenz für den Erzieherberuf ein Grundmerkmal ist, das eine höhere Vergütung rechtfertigt oder vielleicht doch nicht.

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