Mit Thymianhonig und Olivenöl: Nach dem Mahl ist vor dem Mahl

Schnelle Gourmet-Tour auf Kreta: Großartige Menüs pauschal in vier Tagen. Kulinarische Höhepunkte, die die Köstlichkeiten der Insel wie Thymianhonig und Olivenöl groß herausbringen

Im venezianischen Hafen in Rethymnon Bild: Dieter Grönling

Was von Reisen im Gedächtnis haften bleibt, sind schemenhafte Erinnerungen, tief im Gehirn eingegrabene Momentaufnahmen von Landschaft und Strand, Straßenszenen, Gebäuden - und von Menschen, denen man begegnet. Bei dieser Reise ist das anders. Nicht dass die Erinnerung an freundliche Leute und großartige Orte vorzeitig verblassen könnte, nein, es sind einfach herausragende Details bei unerwartet liebevoll und mit äußerst guten Zutaten bereiteten Mahlzeiten.

Schon am Abend der Ankunft wartete am üppigen Hotelbüfett im Iberostar Mirabello Beach in Agios Nikolaos die erste Überraschung: Inmitten von Fleisch und Fisch, Beilagen und Salat steht ein großes Kuchenblech, an das sich offenbar noch niemand herangewagt hat. Gehobelte und vom Backen gebräunte Mandelblättchen auf der Oberfläche lassen den Grund erahnen: Das ist eindeutig ein klassischer deutscher und mit Sahne gefüllter Bienenstich - und der steht hier eindeutig am falschen Ort. Herausgefordert durch meinen zweifelnden Blick, gelingt es dem Maître am Büfett, mich dazu zu bewegen, ein Stück zu probieren.

Grandios! Von Bienenstich keine Spur. Das Blech steht auch keineswegs an der falschen Stelle - der vermeintliche Kuchen entpuppt sich als eine Art Thunfisch-Quiche: Salziger Mürbeteig, darüber eine dicke Schicht mit Thunfisch in Crème fraîche und Kräutern, obendrauf fein gehobelte Mandeln. Das mag nicht besonders griechisch sein, aber es ist einfach lecker und genau die richtige Einstimmung auf das Mittagsmenü am nächsten Tag.

Das soll im angeblich besten Restaurant der Insel in der Hauptstadt Íraklion (Heraklion) eingenommen werden. Es nennt sich Loukoulus, und der Zweifel, ob es denn wirklich so schlau ist, die Tour ausgerechnet mit einem Höhepunkt zu beginnen, entpuppt sich später als unbegründet. Auf dem Speiseplan im Loukoulus steht ein fulminantes Menü. Es beginnt mit frischem Holzofenbrot und hausgemachter Olivenpaté. Dann folgt ein gemischter Salat, dessen Aroma auch nicht vom besten deutschen Biobauern erreicht wird. Eigentlich eine hervorragende und auch reichliche Vorspeise - doch die kommt jetzt, und zwar reichlich: gegrilltes zypriotisches Chalumi, Carpaccio vom Kalb, gefüllte Tomaten, frische Pilze - und ein Auflauf von Kürbis und Zucchini, getrockneten Tomaten, frischer Minze und Manuri-Käse.

Nach einer nun auch notwendigen Pause der Hauptgang: gegrillte frische Kalbfleischlende, gefüllt mit Parmesankäse und Vinaigrette. Freude schöner Götterfunken, Metzger aus Elysium. Ein himmlisch zartes und wohlschmeckendes Stück Fleisch. Käsetaschen mit Thymianhonig lassen das Mahl genüsslich ausklingen. Inzwischen ist es später Nachmittag, und am Abend soll es im Mirabello ein ganz besonderes Menü geben. Dennoch blieb noch Zeit für ein Gläschen Raki, ein Tresterschnaps wie der italienische Grappa, und den obligatorischen griechischen Mokka.

Informationen zum Hotel Mirabello Beach in Agios Nikolaos sind auf der Webseite des Iberostar-Konzerns zu finden: www.iberostar.com.

Buchung von Deutschland am günstigsten über den Reiseveranstalter Neckermann - im Reisebüro oder unter www.neckermann-reisen.de

Achtung, nicht mit dem gleichnamigen Hotel zu verwechseln: Restaurant Loukoulus, Korai 5, Heraklion, Infos unter: www.loukoulos-restaurant.gr

Im venezianischen Hafen von Rethimnon gibt es viele Fischrestaurants. Dieses ist das beste, es liegt ganz am Ende: Cavo DOro, Nearhou 42-43, Rethimnon, Infos unter: www.cavodoro-rethymno.com

Hervorragendes Olivenöl und guten Thymian-Honig gibt es überall auf der Insel. Es ist jedoch besser, die Touristenshops zu meiden und bei einem guten Lebensmittelhändler oder in Naturkostläden einzukaufen.

Das Besondere an diesem Abendmenü im Hotel sind nicht so sehr die Bestandteile der einzelnen Gänge - obwohl auch die von hervorragender Qualität sind -, sondern der Ort an dem es eingenommen wird. Die Hotelleitung hatte ein Nachbargrundstück am Strand dazugekauft. Auf diesem befindet sich ein etwa zehn Meter hoher Felsen, in den das Militär im Zweiten Weltkrieg eine Art Bunkerhöhle gehauen hat, um den Schiffsverkehr besser beobachten zu können. Kein Strom, kein Wasser - aber ein Nebenraum, der für eine festlich gedeckte Tafel groß genug ist. Ein paar Fackeln an den Höhlenwänden illuminieren das merkwürdige Bild, eine Pianistin spielt "Strangers In The Night".

Die Sensation am nächsten Tag: das Fischmenü am Abend im Cavo D'Oro, einem kleinen Restaurant in Rethymnon. Von hier hat man einen wunderbaren Blick über den alten, von den Venezianern erbauten Teil des Hafens, und hier kann der Gast noch nach guter alter Mittelmeer-Tradition in die Küche gehen und sich seinen Fisch selbst aussuchen. Die Rezepte der zum Fisch gereichten und absolut köstlichen Soßen werden nicht verraten. Estragon, Dill, Rosmarin, andere Kräuter? Der Koch schweigt - verrät jedoch, dass in seinem Restaurant nur Fisch von der Südküste Kretas auf den Tisch kommt.

Hier kann der Gast noch in den Kochtopf gucken Bild: Dieter Grönling

Wir fahren Richtung Süden. Endlose Olivenplantagen, in den Bergen unglaublich viele Bienenstöcke. Das sind die Dinge, die unbedingt von jeder Kreta-Reise mit nach Hause gebracht werden müssen. Hier stimmt der Superlativ: Olivenöl aus Kreta ist das beste der Welt - wenn es nicht aus industrieller Fertigung stammt. Und der Honig von Bienen, die sich von Thymianblüten ernähren, ist unvergleichlich.

Die Taverne am Wegrand sieht einladend aus. Draußen ein paar Tische, an der Ecke ein kleiner Grill. Darauf brutzelt der Wirt riesige Schweinekoteletts -so saftig und so aromatisch, dass sie die Bezeichnung wirklich verdienen. Das Aroma von Tomaten und Gurken weckt Kindheitserinnerungen. Zur Krönung schneidet der Wirt Scheiben von frisch geernteten Artischocken über den Salat. Köstlich!

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