Kommentar US-Vorwahlen: Warum Obama überzeugt

Barack Obamas System der Online-Graswurzelbewegung scheint zu funktionieren. Die überwiegend weißen Wähler in Iowa haben den farbigen Kandidaten gewählt.

Haben rund 300.000 Bürgerinnen und Bürger von Iowa nun entschieden, wer der nächste Präsident von 300 Millionen Amerikanern wird? Wohl kaum. Aber der Ausgang der Vorwahlen im US-Bundesstaat ist sensationell. Denn die vermeintlichen Außenseiter haben sich überaus deutlich durchgesetzt: Barack Obama bei den Demokraten und Mike Huckabee bei den Republikanern.

Barack Obama ist dabei gelungen, was kaum möglich schien: Obwohl 96 Prozent der Wähler von Iowa weiß sind, hat er hier klar gewonnen. Von unabhängigen oder einst republikanischen Wählern und von Frauen erhielt er mehr Stimmen als Hillary Clinton. Zudem funktioniert offenkundig sein neuartiges System einer Online-Graswurzelbewegung.

Für Hillary Clinton ist das Ergebnis in Iowa dagegen ein Desaster. Nicht nur vielen politischen Beobachtern galt sie bislang als die "unvermeidliche" Kandidatin der Demokraten - sie fühlte sich auch selbst so. Keiner ihrer Konkurrenten verfügt schließlich über vergleichbare Erfahrung, keiner hat solch eine perfekte Wahlkampforganisation und solch einen eisernen Willen. Deshalb wäre es auch verfrüht, Hillary Clinton abzuschreiben. Sie wird auf jeden Fall bis zum "Super-Dienstag" am 5. Februar weiterkämpfen. Erst dann fällt bei Vorwahlen in 22 Bundesstaaten die Vorentscheidung über die Präsidentschaftskandidaten.

Bei den Republikanern ist das Rennen absolut offen. Mike Huckabee wird es demnächst aber schwerer haben, weil aussichtsreiche Kandidaten wie Rudy Giuliani oder Senator John McCain sich auf spätere Vorwahlen in New Hampshire, Florida und New York konzentrieren.

Barack Obama hat gute Chancen, nicht nur in New Hampshire wieder zu siegen. Für seinen Erfolg ist seine einfache Botschaft entscheidend: Mit eurer Hilfe kann ich Amerika verändern. Dabei überzeugt er weniger mit seinem Programm - sei es mit der Gesundheitsreform oder einem Truppenrückzug aus dem Irak - als vielmehr mit seinem Auftreten. Seine Persönlichkeit wirkt auf viele Menschen so, dass sie ihm das Amt des US-Präsidenten trotz mangelnder politischer Erfahrung einfach zutrauen. Dagegen anzukommen, wird selbst für Hillary Clinton schwer.

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