Mutter des Frauenromans gestorben: Die Liebe der Constanze Wechselburger

Eva Heller, die den Archetyp und zugleich den Höhepunkt des zeitgenössischen Frauenromans schuf, ist tot.

Eva Heller war ein literarisches One-Hit-Wonder. "Beim nächsten Mann wird alles anders", ihr 1987 erschienener Bestseller, ist das großartigste Buch, das in diesem sonst so unglücklichen Genre Frauenliteratur erschienen ist.

Hellers Frauenfiguren haben den entscheidenden Schritt zur Gleichberechtigung getan: Frauen dürfen nicht nur selbstbewusst Karriere machen, sie dürfen endlich auch einmal vollständig lächerlich sein. An dieser souveränen Pose ändert auch die unterirdische Pornoaufmachung nichts, die Bilds Bestseller-Bibliothek dem Cover der bei ihnen neuaufgelegten Ausgabe gegeben hat. "Beim nächsten Mann wird alles anderes" ist eine wunderbar ironische Liebeserklärung an das Berlin der 90er-Jahre. Heller zeigt hier großes Talent zur Milieustudie.

Die Filmstudentin Constanze Wechselburger mag sich nicht so recht entscheiden zwischen ihrem zwar "emotional total blockierten", aber netten Freund Albert und dem wahnsinnig intellektuellen Filmdozenten Gottfried Schachtschnabel, für den zudem ein jeansblauer Mercedes-Oldtimer spricht. Mit Constanze Wechselburgers Geschichte hat Eva Heller den Archetyp des zeitgenössischen Frauenromans geschaffen. Ihr Erfolg hat zu einem Boom der Frauenliteratur geführt. Leider haben sich ihre Nachfolgerinnen lieber in der Tradition moderner Nesthäkchen, Puckis oder Trotzköpfen geübt.

Auch Eva Heller selbst ist in ihren späteren Werken "Der Mann, der es wert ist" (1993) und "Erst die Rache, dann das Vergnügen" (1997) nicht mehr der Witz des "Nächsten Mannes" gelungen. Dafür hat die Soziologin dann ein spannendes Sachbuch über Farbpsychologie geschrieben. "Wie Farben wirken" wird mittlerweile als Standardwerk gehandelt. In der vergangenen Woche ist die 1948 geborene Autorin verstorben. Man sollte ihren Tod zum Anlass nehmen, sämtliche Werke von Ildikó von Kürthy, Hera Lind und ähnlichen späten Mädels wegzuschmeißen und noch mal den "Nächsten Mann" zu lesen. Vielleicht wird dann bei dem miesen Angebot an Frauenliteratur wirklich endlich mal etwas anders.

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