"DVD-Jon" schlägt wieder zu: Hacker erfindet Kopierschutz-Killer

Nach dem DVD-Schutz ist Apple dran: Der bekannte Hacker Jon Johansen hebelt Kopierschutz-Verfahren wie das von iTunes aus. Ziel: eine "Welt ohne DRM".

Dank Doubletwist "befreit": Die PSP Bild: rtr

PC-Besitzer kennen das Problem: Wenn sie im Internet Musik oder Filme kaufen, sind diese oft nur auf den Geräten abspielbar, die der verwendete Download-Shop explizit unterstützt. Schuld daran ist das so genannte "digitale Rechtemanagement", auch DRM genannt. Es dient eigentlich dazu, Raubkopien zu verhindern, wird jedoch längst auch zur Abschottung von Märkten verwendet. So laufen Filme aus Apples iTunes Store beispielsweise nur auf iPods und iPhones sowie Mac und PCs, die auch mit der Software des Anbieters ausgestattet sind.

Jon Lech Johansen, ein berühmter Hacker aus Norwegen, will das Problem nun lösen. Der auch als "DVD Jon" bekannte Programmierer hat dazu extra eine Firma namens "DoubleTwist" gegründet, die zum ultimativen Kopierschutz-Killer werden könnte. "Wir befreien Ihre Medien", heißt es dazu auf der Website des Start-ups. Der 24jährige Firmengründer hat bereits viel Erfahrung im Umgehen von DRM-Maßnahmen. Bekannt wurde er, nachdem er als Teenager den Kopierschutz der Video-DVD ausgehebelt hatte und dafür schließlich von einem Osloer Gericht verurteilt (und nach einem Berufungsverfahren wieder freigesprochen) wurde. Auch liefert sich Johansen seit mehreren Jahren mit Apple eine Hackerschlacht: Gleich mehrmals knackte er die iTunes-Verschlüsselung, die dann aufwändig neuerlich abgedichtet werden musste. Auch schrieb er als erster ein Programm, mit dem sich das iPhone auch ohne Mobilfunkvertrag über ein drahtloses WLAN-Netz nutzen ließ.

DoubleTwist ist nun der bislang radikalste Versuch, die von Johansen entwickelten Technologien einer breiten Masse zur Verfügung zu stellen. Ein Vorläufer der Firma existiert bereits seit 2006 - der Hacker zog extra ins amerikanische San Francisco, um beim Aufbau zu helfen. Das erste Produkt liegt nun seit dieser Woche in einer Beta-Version vor. Es handelt sich um eine Desktop-Anwendung für Windows, die ebenfalls auf den Namen DoubleTwist hört. Das Prinzip ist simpel: Das Programm soll es erlauben, Medien-Inhalte wie iTunes-Songs oder Nokia-Handy-Videos von einem Gerät auf das andere zu ziehen, ohne dass es DRM-bedingte Einschränkungen geben soll. "Es sollte dem Nutzer egal sein, mit welchem Dienst eine Datei geschaffen wurde oder mit welchem Gerät. Alles sollte nahtlos miteinander arbeiten", sagt DoubleTwist-Chefin Monique Farantzos gegenüber dem US-IT-Nachrichtendienst "CNET". Daran arbeite das 12 Personen starke Team der Firma jetzt. "Bis jetzt ist die digitale Medienlandschaft wie der Turmbau zu Babel. Sie frustriert und entfremdet die Kunden." Dabei kommt es den Machern vor allem auf eine einfache Bedienung ihrer Lösung an: "Selbst Deine Eltern sollen sie beherrschen", so Johansen gegenüber "CNET". Seine Programme hätten sich bislang vor allem an eine Zielgruppe von Technikfreaks gerichtet, das solle sich nun ändern. Das Befreien vom Kopierschutz erfolgt dabei recht simpel. So werden DRM-Songs beispielsweise erneut abgespielt und aufgenommen, um sie in ein portables Format zu übertragen.

Derzeit unterstützt DoubleTwist Geräte wie Sonys PSP und Walkman- und Cybershot-Handys, Nokia-Geräte der N-Serie, das LG Viewty und Windows Mobile-Smartphones. Eine Anwendung für Apples iPhone, die im Browser des Gerätes läuft, soll demnächst verfügbar sein, ebenfalls eine DoubleTwist-Version für Macs. Neben der Desktop-Anwendung stellt die Firma auch noch ein Facebook-Miniprogramm her. Mit diesem Widget soll es möglich sein, Medieninhalte direkt von der eigenen Profilseite aus mit anderen zu teilen. Dies soll jedoch so geschehen, dass ein Weiterkopieren nicht möglich ist. Auch betont DoubleTwist, dass nur tatsächliche Besitzer von Medieninhalten diese auch konvertieren können. "Wir unterstützen keine Piraterie", betont die Firma.

Ob diese Aussage ausreicht, sich vor Klagen der Medienkonzerne und der Download-Shops im Internet zu schützen, bleibt aber fraglich. Zudem kann es sein, dass DoubleTwist-Anwender gegen die Nutzungsbedingungen ihrer Film- und Musikversorger verstoßen, die eine Formatumwandlung zum Teil explizit untersagen. Hinzu kommt, dass auch Teile der Medienindustrie inzwischen erkannt haben, dass Nutzer DRM zu hassen scheinen. So bietet etwa Amazon Songs aller großen Plattenfirmen inzwischen im freien MP3-Format an.

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