Kommentar Geert Wilders Provokationen: Ansichten eines Politclowns

Den Film des niederländischen Rechtsaußenpolitikers kann man getrost ignorieren. Weitaus problematischer sind seine rassistischen Ausgrenzungen von Muslimen.

Die Tragödie wiederholt sich als Farce. Als der niederländische Filmemacher Theo van Gogh mit seiner Mitstreiterin Ayaan Hirsi Ali vor vier Jahren seinen reißerischen Anti-Islam-Kurzfilm "Submission" produzierte, da ahnte er nicht, welchen Hass er damit auf sich ziehen würde. Den persönlichen Wachschutz, der ihm angeboten wurde, lehnte er leichtfertig ab. Kurz darauf fiel er einem fanatisierten jugendlichen Islamisten zum Opfer, und die Niederlande stürzten in eine der größten politischen Krisen ihrer jüngeren Geschichte.

Der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders weiß deshalb genau, welches Risiko er eingeht. Doch um jeden Preis möchte er sich zum Märtyrer der Meinungsfreiheit stilisieren. Monatelang schon hatte er einen "Anti-Koran-Film" angekündigt, wohlwissend, wen er damit nervös machen würde. Nun, wo der Streifen öffentlich ist, entpuppt er sich als billiger Propaganda-Trash, der Szenen von Terroranschlägen und islamistischen Hasspredigern zu einer Art worst of islam zusammenmischt, um in einer Warnung vor dem Koran zu gipfeln. Plumper kann Islamkritik kaum sein.

Das arabische Wort "Fitna" bedeutet so viel wie "Chaos" oder "Zwietracht". Das ist es, was Geert Wilders mit seinem gleichnamigen Filmchen säen will - vor allem, um sich selbst wichtig zu machen. Doch seine Rechnung wird nicht aufgehen.

Ausschließen lässt es sich natürlich nie, dass sich irgendwo auf dieser Welt ein paar Spinner durch sein Werk beleidigt fühlen. Dennoch wird es wohl kaum wieder zu solchen Szenen kommen wie vor zwei Jahren, als wegen der Mohammed-Karikaturen in Syrien und im Libanon sogar Botschaften brannten. Der Grund dafür ist, dass sich die niederländische Regierung klüger verhalten hat als die dänische. Schon früh distanzierte sie sich von dem Film, um nicht selbst mit den Kapriolen ihres berüchtigten Politclowns in Verbindung gebracht zu werden. Der dänische Premier dagegen suchte das Gespräch erst auf dem Höhepunkt des Karikaturenstreits, als es schon viel zu spät war.

"Fitna", den Film, kann man getrost ignorieren. Problematischer sind Geert Wilders politische Forderungen, die auf eine rassistische Ausgrenzung von Muslimen hinauslaufen.

Einmal zahlen
.

Jahrgang 1970, ist seit 1998 bei der taz. Er schreibt über Migration und Minderheiten, über Politik und Popkultur. Sein Buch "Angst ums Abendland. Warum wir uns nicht vor Muslimen, sondern vor den Islamfeinden fürchten sollten" ist gerade im Westend Verlag erschienen.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben