Firmen-Programme auf Google-Rechnern

Google wird Riesen-Server

Der Internet-Konzern öffnet seine Infrastruktur: Künftig können Firmen und einzelne Entwickler ihre kompletten Web-Programme auf den Google-Rechnern laufen lassen.

Zur Strategie hinter "App Engine" kann nur spekuliert werden: Verspricht Google sich Werbeumsätze? Oder interessante Übernahme-Möglichkeiten? Bild: ap

Googles Infrastruktur gilt als weltweit führend: Abertausende von Servern sorgen dafür, dass die Nutzer innerhalb von wenigen Sekunden eine Antwort auf ihre Suchanfragen erhalten und die diversen anderen Dienste des Internet-Konzerns verzögerungsfrei nutzen können.

Diese Rechenkapazität will das Unternehmen nun auch Dritten zur Verfügung stellen. Das Projekt hört auf den Namen "Google App Engine" und steht seit Anfang dieser Woche in einer Vorabversion zur Verfügung. Die Idee: Einzelne Entwickler sowie kleinere bis mittelgroße Firmen sollen ihre kompletten Web-Programme auf Google-Rechnern laufen lassen, auf die die Welt dann von außen zugreifen kann - Google wird zum riesigen Server.

Was man auf dem heimischen Rechner programmiert, lässt sich dazu auf den so genannten "Appspot"-Dienst hochladen und der Kundschaft als Online-Anwendung zur Verfügung stellen. Ab dahin läuft dann alles auf der ausreichend dimensionierten Google-Technik. Selbst die Verwaltung eventueller Nutzerzugänge übernimmt der Internet-Konzern. Das große Lockmittel dabei: Bleiben die Anwendungen unter knapp fünf Millionen Seitenabfragen im Monat, was für viele Projekte zumindest am Anfang ausreichen dürfte, kostet die Nutzung von "Google App Engine" keinen Pfennig. Allerdings ist das Angebot zunächst auf 10.000 Entwickler beschränkt, die sich speziell bei Google bewerben müssen.

Der Internet-Konzern begibt sich mit "App Engine" in den Bereich des so genannten "Utility Computing". Dabei erwirbt man Rechenleistung ähnlich wie Wasser oder Strom, zahlt nur für den Verbrauch. Wer früher eine clevere Idee für eine Online-Anwendung hatte, musste einiges investieren, um diese auch ans Netz zu bekommen. Leistungsfähige Server mussten gemietet oder gekauft werden, Festplatten für die Datensicherung und die notwendige Internet-Bandbreite natürlich ebenfalls. Und selbst nach diesen Ausgaben, die schnell mehrere tausend Euro kosten können, war noch nicht sicher, ob die eigene Infrastruktur den Ansturm der Nutzer auch aushält. Einmal von einem großen Web-Medium verlinkt zu werden, bedeutete nicht selten das (temporäre) Aus. Außerdem mussten im Erfolgsfall des Projektes ständig neue Server nachgekauft oder nachgemietet werden.

Utility-Computing-Dienste machen dies nicht mehr notwendig: Hier stehen die Server bei einem Dienstleister und man kann quasi auf Knopfdruck Zusatzkapazitäten buchen. Als Marktführer in diesem Sektor gilt im Web derzeit der E-Commerce-Konzern Amazon, der seine überschüssige Rechenzentrumskapazität an Dritte vermietet. Hier lassen sich Speicherplatz, Bandbreite, aber auch ganze Server ausleihen, bezahlt wird in einzelnen Cent-Beträgen.

Viele bekanntere Web 2.0-Firmen wie der Kommunikationsdienst "Twitter" setzen inzwischen auf dieses Angebot. Die Gründung einer neuen Online-Firma wird so deutlich einfacher, weil teure Hardware nicht mehr erworben werden muss. Gleichzeitig kann die Kapazität schrittweise ausgebaut und dem Verbrauch an Rechenleistung angepasst werden.

Googles "App Engine" bietet zwar anfangs etwas weniger Möglichkeiten als Amazon (so gibt Google beispielsweise die Programmiersprache vor), ist dank der anfänglichen Gratis-Nutzung aber wesentlich radikaler. Experten gehen deshalb davon aus, dass der Dienst großen Einfluss auf die weltweite Web-Entwicklergemeinde haben könnte. Erstellbar ist nahezu jede Anwendung, die man sich vorstellen kann, wenn sie nur nicht allzu groß ist - vom Kommunikationsdienst bis zum "Widget" für soziale Netzwerke wie Facebook.

Zur konkreten Strategie hinter "App Engine" kann indes nur spekuliert werden. So könnte sich Google erhöhte Werbeumsätze erhoffen, da sich die von dem Unternehmen verkaufte Textreklame problemlos in solche Anwendungen integrieren ließe. Zudem soll der Dienst ab einem bestimmten Nutzungsumfang auch Geld kosten. Das Silicon Valley - Gerüchteweblog "Valleywag" mutmaßt derweil, dass sich der Internet-Konzern einen Nachschub an interessanten, neuen Web-Firmen sichern möchte, die sich sehr leicht aufkaufen und integrieren ließen - schließlich liefe die Technik ja dann bereits auf Googles Servern.

.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de