Porträtfilm über Sängerin Maria Bethânia: Gegen die Coolness

Die Sängerin Maria Bethânia ist eine brasilianische Volksheldin. Und unnahbar. Der Porträtfilm "Música é Perfume" kommt über ihre Musik an sie heran.

Maria Bethânia singt seltsame alte Sambasongs. Bild: kool film

Bis morgens um halb elf fühle sie sich wie eine Hausfrau, sagt Maria Bethânia. Dann, nach dem ersten Bier, entschwebe sie sanft auf ihrer Wolke.

Es dauert eine Weile, bis die 60 Jahre alte Musikerin solche Privatheiten preisgibt. Die Bethânia gilt als unnahbar, und "Música é Perfume", der Porträtfilm über die brasilianische Sängerin, tastet sich vorsichtig an die Künstlerin heran. Der Schweizer Regisseur Georges Gachot nähert sich seinem Gegenstand über die Musik. Er habe vor Beginn der Dreharbeiten wenig über brasilianische Musik gewusst, sagt er in einem Interview, und so entsteht sie vor dem Auge der Betrachter seiner Dokumentation neu. Bethânias Kollegen wie Chico Buarque, Nana Caymmi oder die Sängerin Miúcha kommen zu Wort.

"Música é Perfume" beginnt mit Konzertaufnahmen; wie aus der Perspektive eines Zuschauers schaut die Kamera starr auf die Bühne. Gleichwohl entsteht Nähe auf der Tonspur. Das Publikum singt frenetisch mit, jede Textzeile ist bekannt. Maria Bethânia ist eine brasilianische Volksheldin. Sie selbst sagt, dass Musik in Brasilien die Rolle der Politik eingenommen habe. Einfachen Haushalten fehle es an Geld für Zeitungsabonnements und Computer. Wohl aber läuft überall Radio. "Nichts berührt so unmittelbar wie Klang oder Duft", sagt Bethânia.

Der Entstehungsprozess ihrer Songs, auch das zeigt "Música é Perfume", hat nichts mit kitschiger Folklore zu tun. Ausschnitte von den Sessions für ihre Alben "Brasileirinho" und "Que falta vôce me faz" gehören zu den Höhepunkten des Films: Generalstabsmäßig plant der musikalische Direktor Jaime Alem die Arrangements, die auf kompositorischen Ideen der Sängerin fußen. Um jedes Detail wird gestritten.

Wie so viele brasilianische Musiker stammt auch Bethânia aus dem Nordosten des Landes, aus dem kleinen Nest Bahia. Heute lebt sie aber in Rio, dem Zentrum der brasilianischen Unterhaltungsindustrie. Früh entschied sie sich gegen die Coolness der Bossa Nova und für die seltsamen alten Songs der Samba. Zu Bethânias traumwandlerischen Samba-Canções zeigt Gachot Bilder von sechsspurigen Autobahnen und nächtlichen Stränden, die von Frauen und Kindern mit fahrbaren Mülltonnen aufgeräumt werden.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de