Kommentar Papst-Dialog mit Mullahs

Treffen der Ungleichen

Der Papst hat mit schiitischen Geistlichen im Iran eine Erklärung verfasst, die der Gewalt eine Absage erteilt. Über die Trennung von Staat und Kirche schweigt sich das Dokument aus.

Seit seiner umstrittenen "Regensburger Rede" vor zwei Jahren, in der er dem Islam ein ungeklärtes Verhältnis zur Gewalt unterstellte, hat Papst Benedikt XVI. die Muslime immer wieder umschmeichelt, nur um sie im nächsten Moment wieder vor den Kopf zu stoßen. "Zuckerbrot und Peitsche" könnte man diese Strategie nennen, wenn es denn eine ist: einerseits durch Gesten klarer Abgrenzung das Profil seiner Kirche schärfen, andererseits von einer solchermaßen selbstbewusst behaupteten Warte aus den Dialog suchen. In abgeschwächter Form legt er diese Haltung ja auch gegenüber Juden und Protestanten an den Tag.

Schon mehrmals suchte Benedikt das Gespräch mit muslimischen Würdenträgern, im vergangenen November traf er mit dem saudischen König zusammen. Durch sein Treffen mit führenden Geistlichen aus dem Iran weitet er seinen Dialog nun auf den schiitischen Klerus aus. Doch die gemeinsame Erklärung, in der beide Seiten jeder Gewalt im Namen der Religion eine Absage erteilen, ist nicht so "sensationell" oder "revolutionär", wie es mancherorts heißt. Denn dass man im Iran den Terror à la al-Qaida ablehnt, ist so überraschend nicht: Schließlich fallen dem im Irak ja auch viele Schiiten zum Opfer, die für Bin Laden & Co nicht als gleichwertige Glaubensbrüder gelten.

Versöhnliche Erklärungen können auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier ein Treffen zwischen Ungleichen statt gefunden hat. Denn während der Papst nur als religiöse Autorität auftritt, sind die iranischen Geistlichen die Vertreter einer Theokratie, deren Staatsgewalt sich auf den Islam beruft. Würden sie es mit ihrer Erklärung wirklich ernst meinen, müssten sie die Grundlagen ihrer "Islamischen Republik" infrage stellen.

Nicht der Islam ist das Problem. Sondern dass Religion und Politik in zu vielen islamischen Ländern Hand in Hand gehen. Um Religion von Gewalt zu trennen, bedarf es der Trennung von Staat und Religion. Erst die Säkularisierung europäischer Gesellschaften hat schließlich zur Zivilisierung der christlichen Religion geführt. Doch diesen heiklen Punkt spart der Papst lieber aus.

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Jahrgang 1970, ist seit 1998 bei der taz. Er schreibt über Migration und Minderheiten, über Politik und Popkultur. Sein Buch "Angst ums Abendland. Warum wir uns nicht vor Muslimen, sondern vor den Islamfeinden fürchten sollten" ist gerade im Westend Verlag erschienen.

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