Clooney übt sich in Srewballcomedy: Die Verve der frühen Jahre

Narzissmus gepaart mit Größenwahn - das kann sich nur George Clooney leisten. In der Screwballcomedy "Ein verlockendes Spiel" ist er Regisseur und Schauspieler - doch es fehlt das Timing.

Die Dialoge klingen gut, aber irgendwas stimmt mit ihrem Timing nicht: Renée Zellweger und George Clooney in "Ein verlockendes Spiel". Bild: universal

Die Screwballcomedy, nicht der Western, galt in den Dreißiger- und Vierzigerjahren unter Hollywoods männlichen Stars als Königsdisziplin. Wer als Schauspieler etwas auf sich hielt, musste sich mindestens einmal in seiner Karriere an dieser besonderen Form der Beziehungskomödie versucht haben, die durch Schlagfertigkeit, Tempo und bissigen Wortwitz besticht. Die Screwballcomedy wurde zur Feuertaufe für die Besten der Besten: Clark Gable, James Stewart, William Powell, Henry Fonda, Cary Grant. Zugang zu diesem gentlemens club verdiente man sich nicht. Es war ein Privileg, das einem in die Wiege gelegt wurde. Entweder man besaß das gewisse Etwas - Charme, Klasse, good looks -, oder man besaß es nicht. Nur zu verständlich, dass jemand wie George Clooney, der Abstand zu den ordinären Gepflogenheiten des aktuellen Kinobetriebs hält, sich auf der Suche nach ebenbürtiger Gesellschaft der Vergangenheit zuwendet.

Selbst für Clooney bedeutet es mitunter Schwerstarbeit, unter diesen Bedingungen die Contenance zu wahren. Aber Clooney ist eben Clooney, weil man ihm diese Kraftanstrengung niemals anmerkt. Er ist auch eitel genug, die ewigen Cary-Grant-Vergleiche der Boulevardpresse ernst zu nehmen. Denn nach ihm kommt in Hollywood lange erst mal niemand, und Clooney weiß das. Und weil ihm momentan alles so mühelos gelingt, weil er "Good Night and Good Luck" aus dem linken Ärmel schüttelt, aus dem rechten "Michael Clayton" und zwischendurch sogar noch Muße für die Fingerübung "Oceans 13" hat, bleibt ihm genügend Zeit, sich darüber den Kopf zu zerbrechen, wie ihn die Nachwelt wohl einmal sehen wird. Er kann sich erlauben, in solchen Kategorien zu denken, ohne dass es abgehoben wirken würde. Nicht ausgeschlossen, dass bei einem solchen Gedanken dann manchmal auch ein leicht süffisantes Cary-Grant-Lächeln Clooneys Lippen umspielt.

Die Bewährungsprobe in Sachen Screwballcomedy hat Clooney längst bravourös bestanden. Er hat nicht umsonst bei den Besten gelernt. Die Coen-Brüder haben die kleinen Manierismen in seinem Spiel kultiviert, die in seinen komödiantischen Rollen stets zwischen Sexsymbol und Camp changieren. Wenn er in "Oh Brother Where Art Thou" beherzt in den Schmalztopf greift oder sich in "Ein (un)möglicher Härtefall" noch schnell die Zähne poliert, gibt er sich damit im Grunde selbst der Lächerlichkeit preis. Auch das gehört zu Clooneys spezieller Form von Narzissmus - so wie seine Wampe in "Syriana" oder die Augenringe in "Michael Clayton".

Es bedarf also einer ganz besonderen Herausforderung, dieses Riesenego zu befriedigen. Clooney versucht sich mit "Ein verlockendes Spiel", seiner dritten Regiearbeit, nicht nur an der Screwballcomedy, er inszeniert sich auch noch selbst vor der Kamera. Narzissmus gepaart mit Größenwahn - welcher Hollywoodstar kann sich das heute schon leisten? Da fällt es kaum mehr ins Gewicht, dass Clooney mit seinem Film die Leistungsgrenze vorerst erreicht zu haben scheint. Sollen doch die nachkommenden Generationen über ihn richten.

Man sieht "Ein verlockendes Spiel" von der ersten Minute an, mit welcher Hingabe Clooney die guten alten Zeiten wiederaufleben lässt - solange ihm selbst ein Platz darin zukommt. Der Film beginnt mit dem alten Universal-Logo; damit ist die Messlatte gelegt. Gleich darauf schneidet er zu einer Schlammschlacht: In seinen Gründerjahren kannte der amerikanische Profifootball weder Regeln noch Helden. Ein paar Hinterwäldler balgten sich auf Ackern um eine Lederpille; selbst die Kühe zeigen sich in der Eröffnungssequenz unbeeindruckt. "Ein verlockendes Spiel" erfasst jenen Moment Mitte der Zwanzigerjahre, in dem die Feierabendliga sich zur Spielwiese von Funktionären und Sponsoren wandelt. Das Ende der guten alten Zeiten, verkörpert von Clooneys Veteran Dodge Connolly, beginnt sich abzuzeichnen. Der neue Sport braucht Vorbilder wie den Kriegshelden Carter "The Bullet" Rutherford (John Krasinski), der im Alleingang ein ganzes Reichswehrbataillon ausschaltet.

Historienfilme sind für Regisseure fast zwangsläufig Projekte der eigenen Eitelkeit, umso mehr, wenn sie sich darin selbst inszenieren. Aber kann man es Clooney verübeln, der in seinem gepanzerten Sportoutfit genauso gut aussieht wie im Tweedanzug? Da kriegt selbst Renée Zellweger Probleme mitzuhalten. Sie mischt als Reporterass Lexie Littleton Clooneys Personalityshow ordentlich auf. Doch die Chemie der beiden lässt die Verve der großen Vorbilder schmerzlich vermissen. Die Dialoge klingen gut, aber irgendwas stimmt mit ihrem Timing nicht. Der Film emuliert die Atmosphäre der klassischen Screwballcomedys mit einer bemerkenswerten Liebe zum Detail, bis hin zu den leicht bernsteinfarbenen Bildern, wie man sie von alten Footballsammelkarten kennt. Alles in "Ein verlockendes Spiel" fühlt sich fast richtig an - aber eben nur fast.

Clooney gefällt sich natürlich in der Rolle des Gentlemanhaudegens, der sich den neuen Reglementierungen des Sports nicht fügen will. Es fallen noch ein paar Seitenhiebe auf sein Alter, diese Koketterie gehört mittlerweile ja zum guten Ton. Letztlich hat Clooney sich nichts vorzuwerfen. Die Doppelbelastung Regisseur/Schauspieler bewältigt er mit spielerischer Lässigkeit, dem schwachen Material zum Trotz. Man muss neidlos anerkennen, dass er selbst im Scheitern noch eine unglaubliche Souveränität ausstrahlt. Aber wahrscheinlich ist am Ende auch das nur eine andere Art von Starqualität.

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