iPhone - Die zweite Generation: Eine optische Täuschung

Apple bringt eine beim Kauf deutlich günstigere Generation seines iPhones auf den Markt - ein billiger Trick. Abgezockt wird nach wie vor über Knebelverträge.

Der Hype um das iPhone Nr. 1: Countdown im Mobiltelefongeschäft. Bild: dpa

"We want the world and we want it … now!" - Was Jim Morrison 1967 in die Welt geschrien hat, ist auch heute noch ein durchaus erstrebenswerter Lebensleitsatz. Ich will alles, und ich will es - jetzt! Wer danach lebt, hat es ein wenig leichter, muss sich jedoch auf kleinere und größere Rückschläge gefasst machen. Aber wer nicht bereit ist, gelegentlich zu verlieren, darf erst gar nicht mit dem Pokern anfangen. Besonders die "Early Adopters" erwischt es gelegentlich - jenen Schlag Menschen, die die allerneuesten und tollsten technischen Errungenschaften immer sofort haben müssen, obwohl diese sauteuer und meist noch nicht so ganz ausgereift sind.

Aber das gehört zum Spiel: Durch die "Early Adopters" werden Teile der Entwicklungskosten schnell wieder eingespielt, zudem lassen sich Fehler und Schwächen eines neuen Systems viel leichter erkennen, wenn es von sehr vielen Leuten ausprobiert wird - die auch noch dafür bezahlen.

Als Apple im letzten Jahr das iPhone auf den Markt brachte, war von Anfang an klar, dass in diesem Frühjahr ein neues Modell nachgeschoben wird. Hauptkritikpunkt der Branche (nicht der Nutzer!) war der nicht vorhandene Mobilfunkstandard der dritten Generation (3G), hierzulande UMTS, mit dem in der Praxis doppelt so hohe Übertragungsraten möglich sind wie mit dem vorhandenen EDGE. Der neue Standard ist nun eingebaut. Zudem wird das neue 3G-Modell um echte Satelliten-Navigation erweitert, der holländische Navigations-Marktführer TomTom hat schon die passende Software entwickelt. Bislang wird der aktuelle Standort durch die nächstgelegenen Funkmasten und die drahtlose Internetverbindung ermittelt und mit einem Kreis auf der iPhone-Version von Google-Maps sichtbar gemacht. Das funktioniert ganz gut und auf 300 Meter genau.

Aber braucht man das wirklich? Wer aus beruflichen Gründen auf Satelliten-Navigation angewiesen ist, wird auch in Zukunft einen "Navi" ins Auto einbauen und sich kein iPhone 3G ins Hemd stecken. Und die mit UMTS möglichen hohen Datenraten lohnen sich nicht wirklich: Bei dem mit 8 bzw. 16 GB im Vergleich zu "richtigen" Computern knapp bemessenen Speicherplatz des iPhone wird kaum jemand große Dateien wie Bilder, PDF oder Präsentationen auf das kleine Gerät übertragen. Für Texte und andere "normal" große Daten reichen die vorhandenen Möglichkeiten völlig aus. Und Videos überspielt man sich ohnehin besser daheim per WLAN-Router.

Abgesehen von UMTS und Satelliten-Navigation gibt es nichts Neues, was Besitzer des alten iPhone nicht nachrüsten könnten. Bei starkem Licht betrachtet werden sogar einige Nachteile des neuen Gerätes sichtbar: Das Gehäuse (und damit die Rückseite) des neuen iPhone ist aus hochglänzendem Plastik gefertigt - je nach Speicherkapazität in Schwarz oder Weiß. Die Hersteller von Fensterputzmitteln und Brillenputztüchern werden einen kräftigen Umsatzzuwachs verzeichnen, denn nichts ist hässlicher als ein mit fettigen Fingerabdrücken übersätes iPhone. Zudem ist die Plastikhülle mit Sicherheit nicht so stabil wie das bislang verwendete matte Metallgehäuse, dem auch ein Schlüsselbund in der Hosentasche nichts anhaben konnte. Die Kratzempfindlichkeit von Hochglanz-Plastik war schon beim iPod berüchtigt.

Das Plastikgehäuse ist offenbar auf die von Steve Jobs angekündigte drastische Preissenkung zurückzuführen. In den USA nur noch 199 Dollar statt 399 Dollar für das 16 GB-Modell - das ist schon eine Sensation. Doch auch das ist unterm Strich nicht viel mehr als eine optische Täuschung, UMTS ist sauteuer, zudem werden Kunden mit harten Verträgen geknebelt. Wer das neue iPhone in den USA kauft, muss nun direkt bei AT&T einen Vertrag abschließen. Aktivieren einfach übers Internet ist nicht mehr möglich - das erschwert den Erwerb von geknackten oder "jungfräulichen" Geräten.

Die deutschen Preise stehen noch nicht fest, nach bisherigen Erfahrungen dürfte sich das um den gleichen Betrag in Euro handeln. Damit zielt Apple auf die Motorola-, Sony-Ericson- und Nokia-Käufer - also auf alle, denen das iPhone bislang schlicht zu teuer war und die mit einem Mobiltelefon einfach nur telefonieren und vielleicht mal eine SMS verschicken wollen.

Der exklusive und elitäre Kreis der iPhone-Nutzer ist damit durchbrochen - auch wenn es für geknackte Geräte bereits ein Programm gibt, das andere iPhones in der Umgebung anzeigt.

Das ist auch gut so, denn es gibt kaum schrecklichere Menschen als die, die sich für was Besseres halten, nur weil sie BMW fahren, eine Rolex tragen - oder ein iPhone besitzen.

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