Filialnetz soll verkauft werden: Post in Zukunft ohne Postamt

Die Deutsche Post will ihr Filialnetz verkaufen. Entlassungen und Einbußen beim Service schließt der Konzern zwar aus, Gewerkschaft und Verbraucherschützer warnen aber genau davor.

Auf dem Land wird die Post die ungeliebten Filialen wohl nicht los. Bild: ap

Die Post will sich endgültig vom Postamt trennen. Struktur und Name waren ja bereits vor Jahren geändert worden. Mit der Privatisierung 1990 wurde aus dem "Postamt" die "Postfiliale" - und ab 2011 soll es auch die so nicht mehr geben: Um Kosten zu sparen, plant die Deutsche Post AG, ihr Filialnetz schrittweise komplett an sogenannte Postpartner abzugeben. Das können Bäckereien, Zeitschriften- und Papierwarenläden, Supermärkte oder Tankstellen sein. Schon jetzt betreiben von den 13.500 Poststandorten 7.200 "Partner". Erst im März war die Rede davon gewesen, bis 2011 weitere 700 Filialen abzugeben - noch nicht aber das gesamte Netz.

Gewerkschaft wie Verbraucherschützer befürchten Verschlechterungen - "weitere", wie sie der taz sagen. Für die Kunden gebe es schon jetzt weniger Service, meinen sie. "Und man wird damit rechnen müssen, dass das Angebot weiter ausgedünnt werden wird und es schwieriger wird, bestimmte Sendungen aufzugeben", sagt Ver.di-Sprecher Jan Jurczyk. Cornelia Tausch vom Bundesverband der Verbraucherzentralen wiederum verweist auf den "schleichenden Rückzug des Einzelhandels auf dem Land". Und wo es keinen Bäcker, Supermarkt oder Zeitschriftenladen mehr gibt, täte sich die Post schwer damit, ihre Dienstleistungen weiterhin anzubieten.

Bei der Post AG versteht man die Aufregung nicht. Die Verkleinerung des Filialnetzes stehe nicht zur Debatte, heißt es in einer Pressemitteilung. Und anstelle der 12.000 Standorte, die gesetzlich vorgeschrieben sind, gebe es ja schon jetzt mehr als 13.500. Dort, wo es zwar einen Standort geben muss, aber keine potenziellen Partner gebe, könnten die Filialen auch nicht umgewandelt werden. Auch die Vorbehalte gegenüber den Partnern weist Post-Sprecher Uwe Bensien zurück: "Es gibt einen gleichwertigen Ersatz. Da werden nicht gleichzeitig Brötchen verkauft und Briefe angenommen."

Jene Mitarbeiter, die bislang in den Postfilialen die Briefe bearbeitet haben, sollen im Unternehmen verbleiben. Kosten will die Post also sparen, indem sie benötigte Mitarbeiter etwa bei Zustelldiensten oder in Briefcentern nicht extern, sondern eben mit dem frei gewordenen Personal nachbesetzt. "Niemand der 2.000 Betroffenen wird hunderte Kilometer fahren müssen, um an seinen neuen Arbeitsplatz zu gelangen", sagt Bensien. Gekündigt würde ohnehin niemand: Bis Mitte 2011 gilt der Beschäftigungspakt, den Ver.di und die Post AG kürzlich verlängert haben. Betriebsbedingte Kündigungen sind demnach für 130.000 Tarifbeschäftigte ausgeschlossen. "Aber was ist nach 2011?", fragt Ver.di-Sprecher Jurczyk. Er sieht in der Ankündigung, Filialmitarbeiter anderweitig zu beschäftigen, "Drohpotenzial": "Das ist ein Hinweis darauf, dass auf die Stellen im Unternehmen Druck ausgeübt wird." Doch auch hier winkt Post-Sprecher Bensien ab: Immerhin sei der Beschäftigungspakt trotz "zunehmenden Wettbewerbs" verlängert worden.

Anfang des Jahres war das Briefmonopol der Post gefallen. Seither dürfen auch Mitbewerber Standardbriefe austragen. Für die EU hatte die Kommission geplant, die Märkte 2009 zu öffnen, wie dies Großbritannien, Finnland und Schweden bereits getan hatten. Vor allem Frankreich und Belgien hatten sich aber gegen die Liberalisierungspläne gesträubt. Nun sollen bis 2013 die EU-Postmärkte für Konkurrenten geöffnet sein.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben