Deutschland im EM-Viertelfinale: Ein dürftiger Sieg

Trotz Ballacks Treffer: Nach einem matten 1:0 über Österreich ist unklar, ob die deutsche Nationalmannschaft im Viertelfinale gegen Portugal eine Chance hat.

Michael Ballack nach seinem 1:0 in der 49. Minute. Bild: dpa

WIEN taz Kapitän Michael Ballack hat die deutsche Fußballnationalmannschaft im wahrsten Sinne dieser Redewendung ins Viertelfinale der EM geführt. Der Capitano verwandelte einen 25-Meter-Freistoß (49.) und sicherte damit den 1:0-Sieg über Gastgeber Österreich vor. Die Österreicher hätten das Spiel gewinnen müssen, um ins Viertelfinale einzuziehen. Dass man dafür an diesem Abend kein Wunderteam hätte sein müssen, ist bei Betrachtung des Spiels eine naheliegende Annahme. Fakt ist: Die Österreicher warenauch dafür definitiv nicht stark genug.

Österreich: Macho - Stranzl, M. Hiden (55. Leitgeb), Pogatetz - Garics, Aufhauser (63. Säumel), Ivanschitz, C. Fuchs - Harnik (66. Kienast), Hoffer, Korkmaz

Deutschland: Lehmann - Friedrich, Mertesacker, Metzelder, Lahm - Fritz, Frings, Ballack, Podolski (83. Neuville) - Gomez (60. Hitzlsperger), Klose Schiedsrichter: M. Gonzalez (Spanien)

Zuschauer: 51.428 (ausverkauft)

Tor: 0:1 Ballack (49.)

Man kann sich nicht erinnern, dass ein Bundestrainer wegen Fehlverhaltens auf die Tribüne geschickt wurde: Ausgerechnet Joachim Löw mußte Montagabend im Happel-Stadion von Wien nach etwa 40 Minuten sein Jackett nehmen und die Trainerbank verlassen (siehe Kasten).

Franz Beckenbauer hatte freundlich gesagt, es habe sich in Wien "zurecht eine Stimmung und Euphorie aufgebaut". Und tatsächlich war richtig Stimmung auf den Rängen. Löw hatte die WM-Abwehr restauriert, Lahm nach links gestellt und rechts wieder Arne Friedrich gebracht. Österreichs Teamchef Josef Hickersberger brachte in der Verteidigung Routinier Hiden für den gesperrten Prödl und vorn das Rapid-Talent Hoffer für Linz, was sich nicht bewährte. Hoffer konnte Mertesacker und Metzelder nicht wirklich fordern. Die Deutschen dominierten zunächst dank der angekündigten Aggressivität das Mittelfeld und damit das Spiel, konnten aber die teilweise schlecht geordnete Fünferkette der Österreicher nicht ausmanövrieren. Und ließen nach einer halben Stunde plötzlich wieder locker. Das Spiel ruhte fortan.

Es war konsequenterweise ein ruhender Ball, der das Spiel entschied. Ballack wuchtete den Freistoß aus etwa 25 Metern zum 1:0 in die Torwartecke (49). Danach gab Hickersberger seine Defensive auf, brachte Leitgeb für Hiden, zwängte aber den Deutschen nicht wirklich das Spiel auf. Die verteidigten geordnet und entschlossen, spielten die Konter aber nicht aus. Neuville vergab in der 90. die größte Konterchance.

Grundsätzlich: Von Löws Spielidee, dem Tempospiel in die Spitze, war selten etwas zu sehen, und es scheiterten die permanenten Versuche, durch die Mitte zu kombinieren. Womit man sich mal wieder fragte: Was nützt es, dass man den Gegner in- und auswendig kennt, wenn man ihn selbst nicht überraschen kann?

Das ist allerdings auch schwierig mit derart verunsicherten Stürmern. Altruismus-Klose wirkte auch dieses Mal sehr verhalten und vergab kurz vor Ende das 2:0. Und der im Saisonverlauf zeitweise überirdische Mario Gomez war nur noch ein Haufen Elend, nachdem er früh sein blaues Wunder von Wien erlebt hatte: Nach einem Klose-Dribbling brachte der den Ball aus einem Meter nicht an Macho vorbei (4.). Nach einer Stunde kam Hitzlsperger für ihn, und ob man sich wünschen sollte, dass Gomez nochmal zurückkehrt, muss man sich gut überlegen.

Nun wird man fragen: Welches Deutschland war das am Montagabend? Jenes, das gegen die Polen sehr gut gespielt hat oder jenes, das gegen die Kroaten chancenlos war? Antwort: Es gibt nur ein deutsches Team. Dieses Team hat ganz schön viele Probleme. Und trifft im Viertelfinale am Donnerstag in Basel auf Portugal, das mit hervorragender Innenverteidigung, Cristiano Ronaldo und schnellem, präzisen Kurzpass-Angriffsfußball zum Finalfavoriten der Gruppen A und B geworden ist.

Sagen wir so: Einfach wird das nicht.

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