"Berliner Zeitung" lagert Teil-Produktion aus: Die Zeichen stehen auf Streik

Bei der "Berliner Zeitung" beginnt mit der Einstellung der Medienseite und der Auslagerung von Produktion der Stellenabbau. Eine taz-Diskussion drehte sich um den Sparkurs.

Daniela Vates und Armin Rott diskutierten im taz-Café über Renditepläne in der Medienbranche. Bild: detlev schilke

Am Montagnachmittag kürzte Josef Depenbrock sich selbst. Ein paar Tage zuvor hatte er die Honorartöpfe der Berliner Zeitung gekürzt. Und am Dienstag kürzte er weiter: Die Medienseite in der bisherigen Form soll eingestellt, Reise-, Auto und Immobilienseiten an externe Dienstleister outgesourct werden.

Was die erste Kürzung betrifft: Der Chefredakteur der Berliner Zeitung und Geschäftsführer des Berliner Verlags hatte am Montagabend zu einem Streitgespräch zwischen ihm und Bascha Mika, der Chefredakteurin der konzernunabhängigen taz, ins taz-Café kommen wollen: "Unabhängigkeit contra Renditesteigerung". Es fand ohne Depenbrock statt, der per Fax mitteilte, er sei zu einem Gespräch über Unabhängigkeit geladen worden; nun solle sich die Diskussion offenbar auf seine Rolle im Verlag konzentrieren. Dazu wolle er sich nicht öffentlich erklären. In der Berliner Zeitung kommentierte man die Absage mit dem Vorwurf des Wankelmuts an Depenbrock: "Da sehen Sie mal, wie es uns hier jeden Tag geht."

Was Kürzung zwei betrifft: Das Sparprogramm der britischen Mecom-Holding, zu der die Zeitung gehört, greift seit vergangener Woche auch auf freie Journalisten über; die Redaktionen sollen weniger Geld für deren Honorare ausgeben. Und zu Kürzung drei, die im Berliner Verlag Bestürzung auslöste, weil mit ihr der von Depenbrock lange angekündigte Stellenabbau in der Redaktion beginnt: Einen Tag, nachdem man im taz-Café über die Bedeutung von Renditesteigerungen für die journalistische Unabhängigkeit und Qualität Gedanken diskutiert hatte, wurde bekannt, dass die Medienseite der Zeitung nicht mehr weiter existieren soll. Ob sie als fernsehorientierte Serviceseite weiter besteht, als solche outgesourct wird oder verschwindet, blieb noch unklar. "Monty hasst Medienseiten", heißt es aus der Redaktion - Monty ist David Montgomery, Chef der Mecom, deren Deutschland-Chef Depenbrock ist.

Warum Montgomery auf ihnen selten gut wegkommt, darüber gab die taz-Diskussion mit Bascha Mika, Daniela Vates, Redakteurin und Betriebsrätin bei der Berliner Zeitung, und Armin Rott, Professor für Medienökonomie, Aufschluss. Einige Leser der Berliner Zeitung dachten zudem laut darüber nach, eine Leserinitiative zu gründen, um gegen die Mecom-Renditestrategie zu protestieren - das Sparprogramm beschädige die Qualität, befand ein Abonnent.

Der Markt, sagte Armin Rott, "hält gewisse Strafen bereit, wenn man die Qualität unterschätzt". Das ist der Vorwurf, dem Depenbrock und Montgomery ausgesetzt sind: die Hinnahme eines Qualitätsverlusts. Wobei Rott auch sagte: "Wenn man statt einer Qualitäts- eine andere Zeitung machen will, dann muss man leider erst mal ganz nüchtern feststellen: Wenn einem eine Zeitung gehört, dann darf man das auch machen." Die Frage sei nur: "Ist das das Ziel" der Mecom? Er glaube: nein.

"Wir haben nichts gegen Renditen", sagte Redakteurin Vates, "so blauäugig sind wir nicht." Die Berliner Zeitung werfe aber Gewinn ab, trotzdem werde weiter gespart. Die Redaktion sei angesichts dessen "bedrückt, empört und ziemlich kampfeslustig". Und nun stehen die Zeichen nun endgültig auf Streik. Eine Mitarbeiterin sagte der taz: "Wir lassen uns hier nicht mehr jeden Tag durchs Dorf treiben."

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