Zum Weltjugendtag in Sydney: Papst ärgern erlaubt

Den Australiern darf es laut Bundesgericht nun doch nicht per Gesetz verboten werden, den Papst öffentlich zu kritisieren. Unautorisierte, Papst-kritische T-Shirts bleiben aber weiterhin tabu.

Der Papst geht in der Umgebung von Sydney spazieren, füttert Fische oder guckt ins Wasser und versucht zu sehen, was sein Sekretär sieht. Bild: dpa

SYDNEY taz Ein australisches Bundesgericht hat am Dienstag ein Sondergesetz des Bundesstaates New South Wales aufgehoben, das praktisch jede öffentliche Kritik am katholischen Weltjugendtag in Sydney unter Strafe stellte. Wer die 200.000 aus aller Welt angereisten Pilger ärgere, könne verhaftet und mit bis zu 5.500 australischen Dollar (3.780 Euro) Strafe belegt werden, hieß es im Gesetz. Es war von der Regierung ohne Debatte durchs Parlament gebracht worden.

Die Studentinnen Rachel Evans und Amber Pike fochten das Gesetz vor Gericht an, weil es ihr Recht auf Meinungsfreiheit einschränke. Das Gericht gab den beiden am Dienstag, dem offiziellen Beginn des sechstägigen Spektakels, teilweise recht. Es hielt jedoch am zweiten Teil des Gesetzes fest. Darin wird das Tragen von unautorisierten Artikeln wie T-Shirts mit Papst-kritischer Aufschrift verboten.

Evans feierte den Entscheid als Sieg und kündigte an, auch den zweiten Teil des Gesetzes bekämpfen zu wollen: "Wir möchten, dass alle Bewohner von Sydney ärgerliche T-Shirts tragen." Unmittelbar nach dem Urteil verteilten Mitglieder der Homosexuellengruppe NoToPope Kondome an Pilger, um gegen die Schwangerschaftsverhütungspolitik der katholischen Kirche zu protestieren.

Morris Iemma, der Premier von New South Wales, meinte, mit dem verbleibenden Teil des Gesetzes könne immer noch erreicht werden, dass die Pilger nicht gestört werden. Der streng gläubige Katholik war maßgeblich daran beteiligt, den Weltjugendtag nach Sydney zu holen.

Papst Benedikt XVI. war am Sonntag in Australien eingetroffen und ruhte sich auch gestern noch von der langen Anreise aus. Er wird am Donnerstag offiziell in Sydney eintreffen. Am Dienstag verfolgten im Hafen zehntausende Besucher die Eröffnungsfeier. Premierminister Kevin Rudd hieß die Jugendlichen in mehreren Sprachen willkommen. Der Glaube habe auch im 21. Jahrhundert seinen festen Platz, so der bekennende Anglikaner.

Kardinal George Pell, Australiens ranghöchster Katholik, rief die Jugendlichen auf, ihrem Glauben treu zu bleiben. Am Montag hatte er gewarnt, die Völker "des Westens" vermehrten sich zu langsam. URS WÄLTERLIN

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