Entscheidung über Aufbau-Verlag: Es wird verkauft - aber an wen?

Verleger und Insolvenzverwalter haben sich auf ein Konzept zum Verkauf des Aufbau-Verlages geeinigt. Nun fehlt nur noch der richtige Käufer.

Aufgehen im Großverlag oder Eigenständigkeit? Bild: dpa

Beim Aufbau-Verlag, man erinnert sich, ging es zuletzt hoch her. Da gab es den Verleger Bernd F. Lunkewitz, der sich in einen Rechtsstreit verbiss, um den fehlerhaften Verkauf des Hauses durch die Treuhand zu rächen - und darüber die Belange seines Verlages vergaß. Da gab es eine Belegschaft, die sich im Stich gelassen fühlte, und eine Geschäftsführung, die plötzlich das Ruder auch gegen den Verleger in die Hand nahm. Bücher gab es von Aufbau weiterhin. Aber vor allem gab es Verletzungen, öffentliche Freundschaftsaufkündigungen und auch sonst allerlei Dinge, die einem Verlag nicht guttun. Überraschende Wendungen gab es auch: am 30. Mai zum Beispiel eine Insolvenz, die aber, wie sich herausstellte, keineswegs das Ende des Verlages bedeuten muss, sondern vielmehr einen Glücksfall für den Verlag darstellen kann. Immerhin gibt es seitdem eine Chance, das Haus ohne Lunkewitz auf eine neue Basis zu stellen.

Seit gestern gibt es zudem eine neue Pressemitteilung. In ihr steht, dass sich der Insolvenzverwalter Joachim Voigt-Salus und der Bernd F. Lunkewitz auf ein gemeinsames Konzept zum Verkauf des Verlages geeinigt haben. Das bedeutet zweierlei. Zum einen ist das die Grundvoraussetzung dafür, dass die Sache noch gut für Aufbau ausgeht. Zum anderen ist das aber auch eine weitere beinahe wunderbare Wendung des Geschehens. Man hatte schon den Eindruck gewonnen, dass Lunkewitz eher an verbrannter Erde denn an vernünftigen Lösungen interessiert war. Aber irgendwie ist es dem Insolvenzverwalter gelungen, ihn einzufangen; über Details wurde Stillschweigen vereinbart. Der deutschen Verlagslandschaft kann es jedenfalls nur guttun, dass pure Vernunft offenbar doch einmal siegen darf.

Nun fehlt nur noch der richtige Käufer. Wenn man bei dem Verlag anruft, erhält man neben der Einschätzung, dass die Einigung doch eine "sehr gute" Sache sei, die Auskunft, dass es an Interessenten keineswegs mangelt, man Genaueres aber leider nicht verraten könne. Die Grundkoordinaten der anstehenden Entscheidungssituation kann man sich aber eh ganz gut selbst ausmalen. Es geht darum, ob man Aufbau nun an einen Verlagskonzern verkauft - der Name Random House fällt in diesem Zusammenhang ziemlich häufig -, damit gut Geld hereinkriegt, aber die Eigenständigkeit des Hauses aufgibt. Oder darum, ob es gelingt, den Gläubigern die Eigenständigkeit des Hauses als so hohes Gut zu vermitteln, dass sie beim Geld Kompromisse einzugehen bereit sind. So viel erfährt man dann doch aus dem Verlag: Es gibt offenbar interessante Verkaufsoptionen jenseits von Verlagskonzernen. Welche Option ergriffen wird, entscheidet ein Gläubigerausschuss aus Vertretern der Bundesagentur für Arbeit, der Hausbank, einer Druckerei, der Autoren und der Belegschaft. Bis zum 1. September soll ein Investor gefunden sein. Mal sehen, welche Wendungen die übrigens längst schon romantaugliche Geschichte noch bereithält. DIRK KNIPPHALS

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