Charles Saatchis neue Galerie: Meine Kunst, mein Museum

Der Titel der Eröffnungsschau der neuen Galerie von Saatchi in London lautet "The Revolution Continues: New Art from China", aber die Revolution will vor allem Saatchi selbst repräsentieren.

Nach der "New Blood" Austellung kommt die Revolution. Bild: dpa

Die Tendenz zu Blockbuster-Titeln für seine Sammlungsausstellungen hatte Charles Saatchi schon immer. "Sensation", "New Blood", "Triumph of Painting" und ab Donnerstag "The Revolution Continues: New Art from China". Die Schau versammelt von Saatchi erworbene zeitgenössische Kunst aus China und markiert gleichzeitig den feierlichen Anfang seiner neuen Galerie im schicken Stadtteil Chelsea. Seit Saatchis wütendem Auszug aus der County Hall 2005 wurde der Eröffnungstermin für seine neuen Räume in den ehemaligen Baracken des Duke of Yorks Headquarter immer wieder verschoben, angeblich wegen weiterer Ausbauarbeiten. Mit wechselnden Schauen auf drei Etagen in dreizehn Galerieräumen sei man eines der "weltweit größten Museen für zeitgenössische Kunst", behauptet man stolz.

Die Revolution im Titel spielt dabei nicht nur auf die derzeitigen Umwandlungen in China und die Hysterie um zeitgenössische chinesische Künstler an: In der Schau hängen die von Saatchi erworbenen Gemälde und Skulpturen der Stars, wie Sun Yuan und Peng Yu, Zhang Yiaogang oder Zeng Fanzhi. Es geht bei der "andauernden Revolution" auch um Saatchi selbst, etliche Kilo leichter und mit neuer Galerie, deren gigantischer, prachtvoller Säuleneingang jeden angstvollen Gedanken an Londons Finanzkrise arrogant an sich abprallen lässt. Neben den vielen Galerieräumen gibt einen großen Ausstellungsbereich für Nachwuchskünstler, sogar einen Klassenraum für Schülergruppen, und durch die Unterstützung von Phillips de Pury ist der Eintritt für alle Schauen frei. Dafür hat das Auktionshaus ganz oben sein eigenes Galeriezimmer, das ab Donnerstag neue Arbeiten von Julian Schnabel zeigt und daherkommt wie ein ausgelagertes Werbeschaufenster.

Saatchis Supermarktmentalität beim Kauf von zeitgenössischer Kunst wird seit Jahren kritisiert. Unbestritten aber ist, dass er zumindest in London eines der ersten und besten Fallbeispiele für die Spezies des superreichen Sammlers junger Kunst war, der ein Ausstellungsmacher sein will. Inzwischen arbeiten immer mehr Sammler und Figuren aus der Londoner Kunstwelt mit privat finanzierten Projekten an ihrer ganz persönlichen Kanonisierung. Die Milliardärsgattin Anita Zabludowicz zum Beispiel, die sich ebenfalls einen öffentlich zugänglichen Raum für ihre Sammlung schuf, oder Louise Blouin MacBain, in deren Institut es Kunst und Champagner für alle gibt. Neben dem Vermögen mancher dieser Kunstphilanthropen wirkt Saatchis durchaus üppiger Kontostand so bescheiden wie der jener Kunststudenten, deren Ateliers er jahrelang leerkaufte. Doch die ständige Suche nach einer nächsten, zornigen Version seiner damals protegierten Young British Artists wird nun vielleicht vorerst ein wenig ruhen müssen. Denn durch die weltweite Finanzkrise muss auch Saatchi in Zukunft intensiver in krisensichere Trophäen investieren. Die chinesischen Arbeiten waren so ein bewusster Gewinnkauf, den sich Saatchi nun bequem an den eigenen Museumswänden veredeln lassen kann, bevor alles schließlich wieder ins Auktionshaus wandert.

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