Grenzkonflikt zwischen Thailand und Kambodscha

Tempelkrieg an der Dschungelgrenze

Im Streit um die alte Kultstätte Preah Vihear liefern sich Thailand und Kambodscha Wort- und Feuergefechte. Es geht um knapp fünf Quadratkilometer Dschungel.

Um die 900 Jahre alte Tempelanlage wird mit modernen Waffen gekämpft. Bild: reuters

BANGKOK taz Bei zwei Feuergefechten seien ein kambodschanischer Soldat getötet und vier thailändische Soldaten verletzt worden, erklärte ein Sprecher der thailändischen Armee gestern in Bangkok. Augenzeugen berichten zudem, Thailands Armee habe eine Rakete auf die kambodschanische Seite abgefeuert. Zunächst gab es widersprüchliche Angaben darüber, wer zuerst geschossen hat. Thailand erklärte, der Nachbar habe die ersten Schüsse abgegeben, man habe sich lediglich verteidigt. Kambodscha behauptet das Gegenteil.

Thailands Außenminister Sompong Amornvivat rief seine in Kambodscha lebenden Landsleute auf, möglichst schnell in die Heimat zurückzukehren. "Unsere Evakuierungspläne stehen", so Sompong. Auf thailändischer Seite stehen Kampfjets bereit, Panzerkolonnen bewegen sich Richtung Grenzregion. Damit ist der jahrzehntelange Streit beider Nachbarn um die Kultstätte aus dem 11. Jahrhundert eskaliert. Zwar hatte der Internationale Gerichtshof in Den Haag im Jahre 1962 Kambodscha den Tempel zugesprochen. Unklar ist aber bis heute, wem der Boden rund um "Preah Vihear" gehört - knapp fünf Quadratkilometer Dschungel.

Die Spannungen hatten sich zuletzt im Juli verschärft, nachdem die Unesco den Tempel auf Initiative Kambodschas als Weltkulturerbe anerkannt hatte. Dies war sogar mit Einwilligung des damaligen thailändischen Außenministers Noppadon Pattama geschehen. Das nationalistische Oppositionsbündnis warf ihm den Ausverkauf heimatlichen Bodens vor. Noppadon trat daraufhin zurück. In der Grenzregion marschierten auf beiden Seiten hundert Soldaten auf.

Vor drei Tagen nun hatte Kambodschas Premier Hun Sen dem Nachbarn offen mit Krieg gedroht, falls die thailändische Armee nicht aus dem umstrittenen Gebiet abrücke. Allerdings verstrich das Ultimatum am Dienstagmittag, ohne dass die Lage eskalierte. Kambodschas Armeechef Yim Pin hatte kurz zuvor erklärt, die Thais hätten sich zurückgezogen.

Die Retourkutsche aus Bangkok kam prompt. Von Rückzug könne keine Rede sein: "Wir werden zwar weder mit dem Kampf beginnen noch in Kambodscha einmarschieren", so Thailands Militär. "Aber wir werden uns verteidigen, falls Kambodscha in unser Territorium eindringt." Gleichzeitig zeigte sich Thailand "überrascht" von den martialischen Bemerkungen Hun Sens, da Außenminister Sompong Amornwiwat sich gerade erst wegen des Grenzkonflikts mit seinem kambodschanischen Amtskollegen Hor Namhong getroffen hatte.

Sich zurückzuziehen kommt für beide Nachbarn derzeit nicht in Frage. Zu groß wäre der Gesichtsverlust. Militärisch ist die Krise dennoch nur schwer zu entscheiden. Thailands Armee ist zwar größer und besser ausgerüstet. Doch unter Kambodschas Soldaten gibt es viele ehemalige Rote-Khmer-Veteranen, die sich bestens mit Guerillataktiken auskennen.

Einmal zahlen
.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de