Club der 10.000 Trainer: Fans übernehmen Geschicke in Köln

Ab Februar sollen Mitglieder einer Online-Community die Geschicke bei Fortuna Köln lenken, über Spielereinkäufe und Mannschaftsaufstellung abstimmen.

Im Fokus des Filmers: Sönke Wortmann hat ein neues Projekt im Blick. Bild: dpa

Sönke Wortmann ist gerade für einige Wochen in Marokko gewesen. Er hat dort den Film "Die Päpstin" gedreht, und in seiner freien Zeit hat er sich oft im Internet herumgetrieben. Auch bei seinem Projekt deinfussballclub.de (DFC) hat er regelmäßig vorbeigeschaut und in den Foren die Stimmung in der mittlerweile 10.700 Mitglieder zählenden Community sondiert. Ursprünglich war geplant, bis zum kommenden Sommer 30.000 Menschen dazu zu bewegen, jährlich 39,90 Euro zu bezahlen, die dafür die Macht bei der Fortuna übernehmen dürfen. "Aber jetzt habe ich eine immer größere Lust, nicht länger zu warten, beobachtet", sagte der Filmemacher am Montag im engen Klubheim der Fortuna. Deshalb wird das Projekt im Februar gestartet. Egal wie viele Leute sich bis dahin angemeldet haben.

Über 400.000 Euro fließen dann von den Mitgliedern an den DFC nach Köln. Ein Viertel dieser Summe erhalten die Betreiber des Projektes, 300.000 Euro bleiben, um die Mannschaft zu verstärken. So viel Geld werde "dem Verein sofort sehr helfen", meinte Wortmann. Der Gesamtetat der Fortuna liegt derzeit bei knapp 500.000 Euro.

Bei Ebbsfleet United, dem englischen Vorbild der Initiatoren, sorgte im Sommer schon die Abstimmung über den Verkauf des besten Stürmers John Akinde für dicke Schlagzeilen, in Köln reicht die Macht der Basis künftig viel weiter als bei allen vergleichbaren Projekten. Die User können Spieler scouten, Trainer Matthias Mink wird seine Vorstellungen kundtun, und am Ende muss die Community entscheiden, ob, zu welchem Preis und für welche Positionen Verstärkungen verpflichtet werden. Wahrscheinlich wird die sportliche Leitung fünf, sechs Kandidaten zur Auswahl stellen, die Kosten offenlegen und das Votum abwarten.

Auch eine mögliche Startaufstellung wird dann per Abstimmung ermittelt, der Trainer kann zwar andere Spieler aufs Feld schicken, aber er muss sich den Mitgliedern Woche für Woche per Chat erklären. "Wir wollen jetzt beweisen, dass wir halten, was wir versprechen", sagte Dirk Daniel Stöveken, einer der Entwickler des Konzeptes.

Über eine wichtige Personalie können die Mitglieder schon bis zum kommenden Montag abstimmen. Der ehemalige Fußballprofi Jens Nowotny möchte die Fortuna als sportlicher Berater unterstützen. Der ehemalige Nationalspieler saß neben Wortmann und erklärte, für ihn sei dieser Schritt "nur konsequent". Er habe immer erklärt, "nicht Trainer werden zu wollen, Spieler geht nicht mehr, Management ist auch nichts, bleibt der Bereich Fan, Community". Nowotny drängt es gut zwei Jahre nach Karriereende zurück zum Fußball. Der 48-fache Nationalspieler soll seine Kontakte und Fachkompetenz einbringen. Außerdem wird er für alle Mitglieder per E-Mail erreichbar sein.

Natürlich ist die Installation des 34-Jährigen auch eine Werbeaktion. Skeptiker könnten sagen: ein Versuch, der schleppenden Mitgliederakquise neuen Schwung zu verleihen. Zwar verkündete Fortuna-Präsident Klaus Ulonska, "irgendwann möchten wir noch viel mehr als 30.000 Leute haben", doch diese Zahl war von Anfang an etwas zu hoch angesetzt. Von diesem Fehler wollen sie sich allerdings nicht bremsen lassen, denn der Erfolg ist schon jetzt messbar.

Seit der Kooperation mit deinfussballklub.de hat die Fortuna ihre Zuschauerzahlen von ein paar hundert auf 1.500 bis 2.500 gesteigert, und sie haben im Frühjahr mit einer Serie von acht Siegen aus neun Spielen den Aufstieg in die NRW-Liga geschafft. Fortuna Köln treibt wieder zarte Blüten nach den finsteren Jahren ohne den großen Patriarchen Jean Löring.

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