Die Woche: Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?

Wann genau Opel angefangen hat, einem leidzutun - und andere freibeuterische Erkenntnisse.

taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht in dieser Woche?

Friedrich Küppersbusch: Hatte allerhand Innenministerschmähungen auf der Festplatte bereit gelegt, und jetzt will er nicht gucken kommen.

Was wird besser in dieser?

Führende CDU-Politiker wie der DDR-Veteran Tillich Schönen ihre Online-Biografien … Schäuble kann ihnen ja jetzt nix nachweisen.

Piraten kaperten einen Tanker mit seiner Ladung Öl im Wert von 100 Millionen Dollar. Was kommt als Nächstes?

Die Mineralölkonzerne erhöhen die Preise ("Johnny-Depp-Zuschlag"), und das Tankerpersonal trägt lustige Augenklappen. Wenn man den Klassiker "Sammeln Sie Punkte?" bejaht, schießen sie einem von Backbord ein Loch in den Tank. Nach Befreiung des Schiffes werden dann die Preise erhöht, ("Johnny-Depp-Abschaffungszuschlag"), und Schäuble fordert den Einsatz der Bundeswehr im Inneren, zum Beispiel an Tankstellen oder in Piratenfilmen.

Die Leiche des Milliardärs Friedrich Karl Flick ist aus der Familiengruft geklaut worden. Kommen nach den Piraten jetzt auch die Grabräuber zurück? Und wie viel ist diese Leiche wert?

Wenn vom Nachbarfriedhof auch noch die Reste Haiders verschwinden, ist der Fall klar: Plastinettenbär Gunther von Hagens plant einen "Themenabend Kärnten". Und etwas Grausameres lässt sich ja in der Tat kaum vorstellen.

Barack Obama bastelt an seinem Kabinett. Hillary Clinton gilt als erste Wahl für das Amt der neuen US-Außenministerin? Soll sie es machen?

Hat was von Soap: Nach Vater und Sohn aus der Bush-Dynastie kommt die robuste Gattin des früheren, sacht irrlichternden Bürgermeisters zurück. Etwas Dallas in Washington. Je undurchschaubarer die Welt, desto überschaubarer wird der Cast auf der Bühne. Ich lese, dass Außenminister in den USA weniger gilt, dass Clinton im Wahlkampf härtere Positionen vertrat: Anyway, vor die Wahl "Farbiger oder Frau" gestellt, bekämen die Amis: beides. Feine Pointe.

US-Geheimdienste sagen einen allgemeinen Niedergang der USA voraus. Ob da was dran ist?

Na ja, die Stasi war ja auch nicht bis zum Schluss optimistisch … Keine Ahnung. George W. Bush scheiterte mit der Strategie, die weltweiten Konflikte munter eskalieren zu lassen, so brutal wie der 11. 9. und seine Rachekriege nun mal waren. Clinton war zuvor aus dem Ring gegangen mit Versuchen, Irland und vor allem den Nahen Osten zu befrieden. Obama müsste außenpolitisch dort ansetzen. Wirtschaftlich hat weder der Westen noch seine Führungsmacht eine Idee von der Welt nach dem Erwachen Chinas und Indiens.

Muss es eigentlich immer eine "Führungsmacht" geben?

Die Idee der "multipolaren Welt" besticht darin, dass bei mehreren Machtzentren eines, das durchdreht oder nichts taugt (etwa die Bush-Regierung) nicht mehr so ins Gewicht fällt. Das ist eine Hoffnung, die schon nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion trog. Und einer der besseren Gründe für eine wahrnehmbare EU.

Opel - auch Ihre Marke der Herzen?

Die Familie von Opel hat 1929 an GM verkauft, und die Kohle steckt unter anderem im "O" von Chio-Chips. Die mag ich definitiv. Kadett war so unkaputtbar wie Bochum auch, die Modellpolitik danach ein rechtschaffenes Fiasko. GM zwang Opel etwa, die Werkzeuge alter Baureihen an die Billigtochter Daewoo herzugeben, die davon geliftete Opel baute. Und zum Kampfpreis Opel Kunden abjagte. Spätestens da fing Opel an, einem leidzutun. Die Idee, vom Massenhersteller zur High-End-Manufaktur aufzusteigen, hätte für den Hersteller von "Kapitän", "Admiral und "Commodore" nahe gelegen und wurde an BMW und Audi weggeschenkt. Jetzt bleibt nur die Öko-Auto-Chance, und das kostet Entwicklungsgelder, die die Mutter nicht mehr hat.

Roland Koch träte gerne zum TV-Duell mit Thorsten Schäfer-Gümbel an - sind solche "Duelle" prinzipiell wichtig oder überflüssig?

Ich glaube, dass die Duelle um die Kanzlerschaft ein enges Rennen entscheiden können. Schröder haben sie zum überraschenden Patt eher genutzt. Allerdings ist der seltene Fight um die Schwergesichtskrone kein Provinz-Event im Griechisch-römisch-um-Fassung-Ringen. Heißt: Viel mehr als die Kanzlerduelle interessiert die Leute auch nicht.

Warum wird uns ein altbekanntes Phänomen wie der "Winter" plötzlich als Katastrophe verkauft?

Vielleicht hatten wir uns klammheimlich auf die schönen Seiten der Erderwärmung gefreut.

Die deutsche Nationalmannschaft hat gegen England verloren. Schlimm?

Ja, für England. Wenns um was geht, gewinnen unsere immer.

Und was machen denn die Borussen ?

Tabellenfünfter ist schon was zum Ausschneiden & Rahmen im Vergleich zu den Vorjahren. Und solche Spiele wie gegen den KSC konnten sie früher auch gerne vergeigen und sichere Punkte wegschenken.

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