Diane Englishs Film "The Women": Nicht fies genug

Überflüssiger Remake: Diane Englishs Film "The Women" mit Meg Ryan und Annette Bening scheitert daran, dass er ohne reaktionäres Frauenbild eben nicht zu haben ist.

Meg Ryan als Mary ist keine Sarah Palin: Film "The Women". Bild: Promo/Constantin

Am Ende schreit Edie und schreit und schreit und schreit. Und - oh Wunder - ungeschnitten und in voller Länge durchdringt ihr lauter Schmerzensschrei den Zuschauerraum, rücksichtslos, großartig. Mit einem Mal hebt "The Women" doch noch ab. Leider wirkt der Schrei, der eine Geburt intoniert, wie ein Kommentar auf die vorangegangenen 100 Minuten. Anders als die überraschend originelle Geburtsszene, bei der Edie Cohen (Debra Messing) den erhofften Sohn bekommt, der dann als einziger Mann in Diane Englishs Filmdebüt einen Auftritt hat, lahmen sie gewaltig.

Dass die Erfinderin und Produzentin der Comedy-Serie "Murphy Brown" der Versuch reizte, die 1939 schon einmal von George Cukor erfolgreich verfilmte, ausschließlich mit Frauen bevölkerte Broadway-Komödie von Clare Boothe Luce neu zu interpretieren, scheint auf den ersten Blick verständlich. Leider ist aber der böse, unterhaltsame Witz von "The Women" ohne das ursprünglich dahinterstehende misogyne, ebenso reaktionäre wie vollkommen ironiefreie Frauenbild nicht zu haben. Mit ihrer Satire wollte die mit dem Time-Verleger verheiratete Journalistin ihre Geschlechtsgenossinnen aus der New Yorker Upperclass bloßstellen, für die Ehe-/Frausein keine Herzensangelegenheit, sondern eine Statusfrage war. Nur weil ihr fundamentalistisches Geschlechterrollenverständnis jeden Gedanken an "Womanliness as Masquerade" verbot, konnte Claire Booth die Maskerade so schrill, herzlos und zutreffend in Szene setzen. Entsprechend ließen sich aus ihrem Stück heute nur noch dann Funken schlagen, würde man etwa Sarah Palin in der Hauptrolle beobachten, wie sie auf bösartigste Weise statt um den Ehemann um ihre Karriere kämpft.

Aber Meg Ryan als Mary ist keine Sarah Palin und eine betrogene Ehefrau kein abendfüllendes Thema. Zwar dreht es English nun so, dass das eigentliche Drama nicht im Verrat des Ehemanns, sondern dem der besten Freundin liegt; doch es hilft nicht. Und es hilft auch die großartige Annette Bening als Sylvie Fowler nicht, die Mary der Presse ans Messer liefert. Der temporeiche Witz des Originals von "The Women" kam eben daher, dass wir statt Freundinnen einer Upperclass-Gang verwöhnter Frauen begegneten. Ihrer privilegierten Ahnungslosigkeit und Arroganz kann selbst ein robustes Unterschichtenluder wie Marys Konkurrentin Crystal (Eva Mendez) nicht das Wasser reichen. Weil aber heute nicht mehr wie ehedem geraucht wird, weil keine Drinks in Folge gekippt und auch keine Bediensteten schikaniert werden, darf die Frauenriege grundsätzlich mit sich und der Welt einverstanden sein. Nur zu großer Form auflaufen, das darf sie, besser kann sie so natürlich nicht.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de