Kolumne Ökosex

50 Milliarden für ein Halleluja

Autobahnenergie und Fahrradpanoramabahnen - das Ökosex-Konjunkturprogramm steht jetzt.

Sagen Sie mal laut Abwrackprämie. "Abwrackprämie!". Da muss Gundula Gause im "heute journal" höllisch aufpassen! Denn wie leicht klingt das "wr" wie ein "f"? Als ich das Wort zum ersten Mal im Radio hörte, musste ich laut lachen. So eine verrückte Idee! 2.500 Euro für den Kauf eines Neuwagens, der mit fossilen Brennstoffen unterwegs ist. Egal, wie viel Kohlendioxid?

Lieber Herr Steinmeier, den Kauf von Neuwagen können Sie sehr preisgünstig mit dem altbekannten Ökosex-Tempolimit ankurbeln. Zur Erinnerung: Autos, die über 120g/km CO2 emittieren, dürfen nach diesem Modell nur noch 120 km/h fahren. Wer allerdings ein Sparauto kauft mit weniger als 120g/km CO2, der darf wie gehabt nach Herzenslust brettern, bis die Reifen qualmen.

Ein klitzekleines Bundesgesetz, und schwupps rennen die Leute in die Autohäuser, kaufen Sparautos und schwurbeln an der Konjunktur. Das ist ein Beispiel aus meinem 200-seitigen alternativen Ökosex-Konjunkturprogramm. Dafür habe ich an Weihnachten Maastricht verlassen, um die Infrastruktur in Deutschland zu überprüfen.

Die A 61, die A 6, A 7, die A 2. Mehr Geld für neuen Straßenbau? Falsch. Die Autobahnen sind okay, zahlreich und gepflegt. Besonders im Vergleich zu den belgischen. Die deutschen Schulen dagegen, lese ich, sind im Vergleich zu den belgischen wiederum eine Katastrophe. Meine Empfehlung: Schulen in Deutschland sanieren, ja. Wenn allerdings unbedingt Geld in Autobahnen gepumpt werden muss, dann doch bitte in die belgischen. Noch besser allerdings: in Autobahnenergie.

Deshalb zur Konjunktur-Priorität 1: Ökosex-Freunde erinnern sich an meine Vision von einem 1.000 Kilometer langen Windpark entlang der Autobahn A 7 von Nord nach Süd. Ich habe auch noch am Marketing gefeilt. Anstatt "Windpark Deutschland" werde ich das Projekt in Zukunft als "Autobahnenergie Deutschland" planen. Das Wort "Autobahn" hat in Deutschland und international einen guten Klang. Die Verbindung Autobahn und erneuerbare Energien ist genial, weil sie Tradition und Moderne zusammenführt, Sigmar Gabriel und Klimaschutz. Auch den Wind hab ich aus dem Titel genommen, weil es ein langer Fluss, ein verbindendes Band, ein Strom aller Erneuerbaren sein soll.

Wind, Fotovoltaik, Biogas unter dem Label "Autobahnstrom" vereint. Milliardeninvestitionen fast für umme. Nur mithilfe eines klitzekleinen Bundesgesetzes und einiger Ländergesetze, die die Planung beschleunigen. Geld aus der Staatskasse? Mit mickrigen 10 Millionen Euro könnte man da viel machen. Da braucht es lediglich eine kleine Agentur für die Öffentlichkeitsarbeit und die Koordinierung der dezentralen Initiativen in den Landkreisen. Investiert wird ja von uns Bürgern. Hier wäre die Abwrackprämie vielleicht doch eine Option. Privathaushalte könnten für die Verschrottung eines alten Wäschetrockners eine Prämie von 2.500 Euro kriegen. Allerdings nur, wenn sie diese 2.500 Euro in eines der vielen Projekte der Autobahnenergie investieren.

Jetzt zur zweiten Priorität. Die Panoramabahn für Fahrräder in Berlin. Ich überprüfte ebenso letzte Woche die Berliner Fahrradinfrastruktur. Grauenhaft lausig. Lauter Ampeln zwischen Kreuzberg und dem Kudamm. So kommt die Fahrradindustrie nicht auf die Beine. Da muss ebenso eine Vision her: eine spektakuläre Panoramahochbahn, die kreuzungsfrei als Fahrradschnelltrasse die Stadteile miteinander verbindet. Die Amerikaner werden verrückt danach sein. Spektakuläre Blicke. Filigrane Architektur. Überdacht natürlich mit Fotovoltaikmodulen.

So wird ganz Berlin zu einer Art Bike-Disney-World, der Tourismus und die Fahrradindustrie boomen, die Verkehrswende wird sich in ganz Deutschland durchsetzen. Und das Ganze für lächerliche 2 Milliarden Euro.

Frage: Will Ökosex eigentlich keine 50 Milliarden ausgeben? Doch. 40 Milliarden sind fest eingeplant: Dafür kaufen wir den Energiekonzern Eon. Ein bisschen Spaß muss sein auch in bitteren Zeiten.

Einmal zahlen
.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de