Porträt Kati Wilhelm: Die goldene Biathletin

Kati Wilhelm, 32, ist eine der erfolgreichsten Biathletinnen aller Zeiten. Gestern hat die Sportsoldatin im südkoreanischen Pyeongchang zum fünften Mal WM-Gold gewonnen.

Kati Wilhelm will bald aufhören mit dem Leistungssport - sieht gar nicht so aus. Bild: reuters

Jetzt hat sie schon wieder gewonnen. Kati Wilhelm hat sich gestern zum zweiten Mal bei der Biathlon-WM im südkoreanischen Pyeongchang eine Goldmedaille umhängen lassen können. Nach dem Sieg im Jagdrennen, dem zweiten Platz in der Verfolgung, hat sie das Einzelrennen über 15 Kilometer gewonnen. Es ist ihr fünftes WM-Gold seit 2001. Die deutsche Dauer-Biathlonparty geht weiter. Wie gut, dass Kati so gut trifft, so schnell läuft!

Die Meldungen vom systematischen Doping im russischen Team versanden doch noch während der Titelkämpfe - drei dopende Athleten wurden ausgeschlossen. Dass die Olympischen Spiele von Turin Dopingspiele genannt werden, weil im Quartier der österreichischen Biathleten verdächtige Apparaturen gefunden wurden - kein Thema in Deutschland. Der Biathlonsport wird nicht überall so gefeiert. Kaum einer interessiert sich in Pyeongchang derzeit dafür. Die Ränge sind leer. Dass in Deutschland bis zu 20.000 Zuschauer zu Weltcup-Events strömen, liegt an den Erfolgen deutscher Biathletinnen und Biathleten. Kati Wilhelm hat mit ihren zwei Goldmedaillen von den Olympischen Winterspielen 2002 am Salt Lake nicht wenig dazu beigetragen, dass Skijagen zum deutschen Winternationalsport geworden ist. Vier Jahre später in Turin hat Wilhelm ein weiteres Mal Gold gewonnen. Sie ist die erfolgreichste Biathletin in der Olympiageschichte.

Und doch war von Kati Wilhelm, die ihren Lebensmittelpunkt 2006 nach Ruhpolding verlegt hat, in den letzten Jahren nur wenig zu hören. Sie hatte kaum eine Chance, neben dem neuen Skijagd-Darling wahrgenommen zu werden: Magdalena Neuner, süße 22, hat bei den letzten zwei Weltmeisterschaften insgesamt sechs Goldmedaillen gewonnen und war Medien- und Massenliebling. Für Wilhelm waren die Erfolge von Neuner ein Ansporn, beinahe alles umzustellen. Mit Andreas Stitzl und dem Norweger Odd Lirhus hat sie sich zwei eigene Trainer besorgt. Sie hat ihren Laufstil umgestellt und ihre Schusstechnik verändert. Ihr großes Ziel ist eine weitere olympische Goldmedaille 2010 in Vancouver. Danach will sie - die derzeit als Hauptfeldwebel einer Sportfördergruppe der Bundeswehr angehört - aufhören mit dem Leistungssport. Wilhelm bereitet sich schon vor auf ein Leben ohne Sold, Gewehr und Skier. Sie ist an der Fachhochschule Ansbach eingeschrieben und will einmal Bachelor of Arts in International Management werden. Dann redet vielleicht auch in Deutschland kaum mehr einer von Biathlon.

Wie war das noch mal mit den Radsport? Der soll ja auch mal eine Art Nationalsportart gewesen sein hierzulande.

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