Diskussion über linke Medien

Krise keine Chance

Warum linke Medien nicht von der Kapitalismuskrise profitieren, versuchte eine Diskussion in Berlin zu klären.

Plädierte für eine Krisen-Taskforce: Ex-FR-Chefredakteur Wolgang Storz. Bild: dpa

Die einzige einfache Antwort des Abends hatte Philip Grassmann parat. Auf die Frage aus dem Publikum, wie man denn das "Interaktionsverhältnis" erhalten wolle zwischen der gesellschaftlichen Linken und linker Publizistik, empfahl Grassmann den Internetauftritt der Wochenzeitung Der Freitag, deren Chefredakteur er seit kurzem ist. "Wir glauben, dass auch die Leser uns Journalisten viel mitzuteilen haben und nicht nur wir ihnen", sagte er. Deswegen druckt Der Freitag seit dem Relaunch vor rund zwei Wochen Leserbeiträge auch im redaktionellen Teil.

Dieser Neustart fällt in eine Zeit, in der linke Standpunkte Konjunktur haben müssten. Eigentlich. Denn zumindest darin waren sich die ins taz-Café geladenen Diskutanten einig - die im Veranstaltungstitel aufgeworfene Frage "Haben die linken Medien im Krisenjahr 2009 wieder Konjunktur?" muss man bislang verneinen. Das "Comeback der Überzeugungen" steht noch aus.

Ausnahmsweise war es dann ein Redebeitrag aus dem Publikum, der die Diskussion belebte: taz-Wirtschaftsexpertin Ulrike Herrmann sagte, dass es in den Redaktionen oftmals einfach an Wissen mangele - und somit an Glaubwürdigkeit: "Wenn man die wichtigsten Blogs zum Thema liest und dann deutsche Zeitungen, weiß man, wer von wem abschreibt." Keiner protestierte, alle lauschten gebannt und notierten sich wohl teilweise heimlich die empfohlenen Blogs.

Der frühere Chefredakteur der Frankfurter Rundschau, Wolfgang Storz, der mit der Bloggerin Anne Roth, dem Neues-Deutschland-Chefredakteur Jürgen Reents und taz-Chefin Bascha Mika das Podium komplettierte, regte daraufhin die Gründung einer Krisen-Task-Force an, in der Medien ihr Wissen bündeln und über eine Online-Plattform oder Symposien zugänglich machen - eine romantische Idee, deren Umsetzbarkeit allerdings fraglich erscheint. Aber vielleicht liegt ja gerade darin das Problem linker Publizistik: im mangelnden Glauben an die eigenen Utopien. TAZ

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