Google kommerzialisiert Nachrichtenportal: Verlage kontra Google News

In den USA wird bei Googles Nachrichtenportal Google News ab jetzt Werbung verkauft, in Europa kauft das Portal Agenturmeldungen ein. Den Medienkonzernen schmeckt das alles gar nicht.

Google kommerzialisiert jene Angebote, die sich lohnen. Und das Nachrichtenportal Google News gehört eindeutig dazu. Bild: screenshot googlenews

Google und die Medienkonzerne - es ist eine Hassliebe. Einerseits brauchen die Websites von Zeitungen, Zeitschriften und Sendern den Suchmaschinengiganten, um Nutzer anzulocken, die das Internet fast nur noch über dessen Eingabefeld navigieren. Andererseits nimmt der Onlineriese den Verlegern massiv Werbeumsätze ab: Die pro Klick bezahlbare Suchmaschinenreklame wächst weiter stark, während klassische Banner und andere eher Image-orientierte "Display"-Anzeigen, wie sie die großen Inhalteseiten anbieten, schwächeln. Google wird derweil immer wieder gerne vorgeworfen, mit dem teuer erstellten Content anderer sein Geld zu verdienen, ohne selbst sinnvoll Inhaltliches zum Internet beizutragen.

Der Showdown könnte nun rund um das Nachrichtenportal Google News kommen, das der Onlineriese seit 2002 betreibt und inzwischen weltweit in Dutzenden von Sprachen anbietet - in Deutschland und zahlreichen anderen europäischen Ländern, in Amerika und Asien, sowie selbst in kleineren Märkten wie Singapur oder Simbabwe. Die Idee hinter der zunehmend populären Seite ist schnell erklärt: Sie grast regelmäßig mit einem Suchmaschinenroboter die Websites zahlreicher Nachrichtenangebote in einer Sprache ab, analysiert mit einem proprietären Algorithmus deren Gewichtung innerhalb bekannter Nachrichtenangebote und sortiert anschließend voll automatisiert nach Themen und Relevanz.

"Die Auswahl und Platzierung der Meldungen auf dieser Seite wurden automatisch von einem Computerprogramm bestimmt", heißt es dazu traditionell ganz unten auf der Seite. Und dieses Rechnersystem ist zunehmend intelligent: Es kann beispielsweise die jeweils wichtigsten Neuigkeiten auf einer Hauptseite sowie eine Einordnung in verschiedene Ressorts von Sport bis Gesundheit vornehmen. An tatsächlichen Inhalten nimmt Google dabei jeweils die Überschrift sowie einen Teil des so genannten Teasers, des Anreißers zu einer Geschichte, mit - sie werden auf dem News-Portal angezeigt. Mit einem Klick landet man dann auf dem tatsächlichen Angebot und kann die ganze Story lesen.

Gänzlich unumstritten war Google News eigentlich noch nie - so klagte 2005 die französische Nachrichtenagentur AFP wegen Urheberrechtsverletzung, "stehle" der Onlineriese doch ihre Inhalte. Inzwischen hat man sich geeinigt: Google zahlt für das englischsprachige Agenturmaterial, ein entsprechender Deal gilt unter anderem auch mit dem US-Riesen AP. Trotz solcher inzwischen hieb- und stichfesten Verträge verhielt sich Google in Sachen Nachrichtenportal bislang sehr zurückhaltend. So gab es jahrelang keinerlei Werbung auf dem US-Angebot von Google News und auch in Europa, wo die Verlage das Angebot besonders scharf beäugten, hielt man sich mit Neuerungen zurück, setzte stattdessen darauf, dass man den Medien-Websites durch seine Links half, mehr Zugriffe zu generieren.

Doch die Wirtschaftskrise sorgt derzeit dafür, dass Google unprofitable Geschäftszweige schließt, deutlich stärker auf seine Ausgabenseite schaut und damit beginnt, jene Angebote direkt zu kommerzialisieren, die sich lohnen. Und das Nachrichtenportal scheint eindeutig in letztere Kategorie zu gehören. So werden seit Ende Februar kleine Anzeigenkästchen, wie man sie von der Suchmaschine des Konzerns kennt, neben Nachrichtenmeldungen auf dem US-Angebot von Google News platziert. Sie passen inhaltlich zu dem, was gerade angezeigt wird. Für die Medienkonzerne ist das ein Zeichen, dass Google künftig direkt mit ihnen konkurrieren wird: "Uns überrascht der Schritt nicht und er besorgt uns", sagte eine Managerin der Nachrichtenagentur Reuters gegenüber der New York Times. Man werde genau beobachten, wie Google weiter vorgehe.

In Europa wurden unterdessen erstmals direkte Verträge mit Nachrichtenagenturen geschlossen. Die European Pressphoto Agency (EPA) verhandelte mit Google. Das Ergebnis: Ab demnächst darf der Online-Konzern Meldungen und/oder Bilder der EPA-Mitglieder APA (Österreich), PAP (Polen); MTI (Ungarn), ANA (Griechenland), Belga (Belgien), EFE (Spanien), LUSA (Brasilien) und Keystone (Schweiz) übernehmen. Im Gegensatz zum restlichen Google News-Angebot, das nur verlinkt, werden diese Inhalte direkt auf Googles Servern dargestellt - der Konzern behält sich vor, daneben seine Werbung einzublenden.

Für die Medienkonzerne ist das doppelt unschön: Google hat vor, eigene Agenturmeldungen weiter vorne zu platzieren. Nutzt dann eine Nachrichtenseite hauptsächlich Material etwa von APA, rutscht es nach unten, handelt es sich doch um keinen "Originalinhalt" mehr. Die großen deutschen Agenturen wie DPA halten sich derzeit mit einer Mitarbeit an Google News zurück. Es laufen zwar Verhandlungen, doch gehört die DPA hier zu Lande gemeinschaftlich den Verlagen. Und die würden sich damit ins eigene Fleisch schneiden.

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