Spekulation um Enkes Wechsel zum FCB: Zu alt für München?

Einige Indizien sprechen dafür, dass Bayern München Nationaltorwart Robert Enke von Hannover 96 verpflichten wird. Aber Enke wird bald 32 Jahre alt.

Warten auf das Angebot: Hannovers Torwart Robert Enke. Bild: dpa

HANNOVER taz Aufmerksamen Augenzeugen ist es nicht entgangen: Robert Enke, von jeher ein eher introvertierter als extrovertierter Fußballtorwart, wirkt dieser Tage oft in sich versunken, so tief senkt er den Kopf. Und seine nachdenkliche Miene während des Trainings nach dem 2:0-Erfolg gegen Hertha wollte partout nicht zu dem österlichen Prachtwetter passen. "Ich werde alles tun, dass wir am Ende keinen Relegationsplatz belegen", sagt Enke nicht ohne Eigennutz. Sonst nämlich würde seine Asienreise mit der deutschen Nationalmannschaft hinfällig, "und dieses egoistische Ziel habe ich".

Was ansonsten die nähere Zukunft betrifft, würden alle Gedankenspiele nicht weitergehen, versichert der 31-Jährige. Das muss man nicht glauben. Denn gut informierte Kreise gehen fest davon aus, sowohl Enke als auch dessen Berater Jörg Neblung längst in Münchner Planspiele eingeweiht sind, nach denen die aktuelle Nummer eins beim DFB möglicherweise auch die neue Nummer eins beim FC Bayern wird. "Ich vermute mal, dass Robert Enke auf deren Liste steht", erklärt 96-Klubboss Martin Kind, "auch wenn wir noch keine Anfrage bekommen haben." Aber das kann ja noch werden. Als Vertrauter seines Angestellten wisse er ja, "dass Robert nächste Saison international spielen will, wir ihm aber diesen Wunsch nicht erfüllen können". Kind hätte also auch sagen können: Enke wird verkauft, wenn ihn die Bayern kaufen wollen, zumal sein Verein eine Finanzspritze gut gebrauchen kann.

Enke, clever und mediengeschult, gibt in der Causa nur zu, was er zugeben muss. "Es wäre unseriös und verantwortungslos, wenn ich mich damit beschäftigen würde. Bisher gibt es keinen Kontakt, und wer sagt denn, dass die Bayern mich haben wollen?" Im Umfeld des Schlussmanns werden schon die Indizien aneinandergereiht, die für einen Wechsel sprechen: dass Enke denselben Berater unterhält wie Bayerns neuer erster Mann Hans-Jörg Butt; dass Enke regelmäßig mit Bayerns Torwarttrainer Walter Junghans telefoniert, der ihm von 1999 bis 2001 auch die Bälle im Training bei Benfica Lissabon auf den Kasten zimmerte.

Fragt sich nur, ob die Bayern mit Enke dann wirklich den richtigen Kahn-Nachfolger hätten? Seine Ruhe, seine Ausstrahlung, seine Beweglichkeit und seine Erfahrung sind unbestritten, doch an der Gegentorflut bei 96 in dieser Spielzeit ist er eben auch nicht gänzlich unschuldig. Gerade bei hart getretenen Freistößen und Flanken, die heutzutage neben einem halsbrecherischen Risiko auch eine hünenhafte Statur verlangen, wirken sich Enkes fehlende Zentimeter am Tormann-Idealmaß negativ aus. Seine offizielle Körpergröße beträgt 1,86 Meter; ebenso wenig spricht für den gebürtigen Jenaer, dass er bald schon 32 Jahre alt wird. Über eine ganze Torwart-Dynastie Geschichte schreiben wie Sepp Maier oder Oliver Kahn kann man damit beim FC Bayern jedenfalls nicht. Aber vielleicht wird das auch nicht mehr verlangt. Ein bisschen mehr Perspektive zu besitzen als Hans-Jörg Butt und ein paar mehr Bälle zu halten als Michael Rensing genügt schon.

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