Zweifel am neuen Unterhaltsrecht: Frauen planen unabhängiger

Das neue Unterhaltsrecht bringt Frauen zum Nachdenken: Vier von fünf bezweifeln, dass sie nach einer Scheidung Unterhalt bekommen. Viele arbeiten deshalb ergänzend selbst.

Neues Unterhaltsrecht hin oder her: Mehr als 800.00 Kinder in Deutschland bekommen trotzdem keinen Unterhalt vom getrennten Elternteil bezahlt. Bild: dpa

BERLIN taz | Heiratswillige und bereits Verheiratete sollen sich nicht mehr auf den Partner verlassen, sondern Eheverträge abschließen. Das forderte der Verband Alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV).

"Der Ehevertrag ist das einzige Mittel, um finanzielle Klarheit im Trennungsfall zu schaffen", sagte VAMV-Geschäftsführerin Peggi Liebisch der taz. Viele Menschen seien seit Einführung des neuen Unterhaltsrechts Anfang vergangenen Jahres stark verunsichert.

Eine Erhebung der Bertelsmann Stiftung mit 1.600 Befragten bestätigt dies: 80 Prozent der verheirateten Frauen mit Kindern verlassen sich nicht mehr darauf, dass der Partner im Scheidungsfall für sie Unterhalt zahlt. 17 Prozent der Frauen haben sogar ergänzend eine Erwerbstätigkeit aufgenommen, seit das neue Recht gilt. "Heutzutage begibt sich eine Frau nicht mehr so einfach in eine Versorgerehe", sagte Liebisch.

Nach dem neuen Unterhaltsrecht, das seit Anfang 2008 in Kraft ist, wird Unterhalt für die Betreuung gemeinsamer Kinder grundsätzlich nur noch bis zum dritten Geburtstag gezahlt. Eine Verlängerung ist möglich, solange und soweit dies der "Billigkeit" entspricht. Künftig hat auch der Unterhalt der Kinder Vorrang vor allen anderen möglichen Unterhaltsansprüchen.

"Das Gesetz ändert aber nichts an der Durchsetzung der Ansprüche", kritisierte Liebisch. 800.000 Kinder in Deutschland erhielten keinen Unterhalt vom getrennten Elternteil.

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