Mangelnder Schutz bei Sonnenbrillen: Das Licht am Rande des Gestells

Modisch schick - doch der Lichtschutz lässt oft zu wünschen übrig. Denn nicht nur der Graue Star wird durch UV-Strahlen ausgelöst.

Sieht schick aus, aber haben die UV-Strahlen wirklich keine Chance? Victoria Beckham mit Ganzkörpersonnenbrille. Bild: reuters

Eigentlich weiß der Mensch instinktiv, dass zu viel Sonnenlicht nicht gut für die Augen ist. Wird es ihm zu grell, verengen sich seine Pupillen, er kneift die Lider zusammen oder aber er wendet gleich den Blick ab. Dennoch leiden seine Augen heute unter mehr Lichtstress als jemals zuvor. Erstens, weil der Mensch immer älter wird. Und zweitens, weil er oft den Urlaub und die Freizeit in sonnigen Gefilden verbringt und die Sonneneinstrahlung bewusst sucht.

Das Risiko für Augenschäden geht dadurch zwangsläufig nach oben. So führen hohe Intensitäten an UV-Strahlen, wie sie etwa im Gebirge, an der See oder im Schnee vorkommen, zur Entzündung von Binde- und Hornhaut: zur Verblitzung, auch Schneekrankheit genannt. Sie entwickelt sich sechs bis acht Sunden nach der Sonnenexposition und zeigt sich durch rote, tränende und brennende Augen sowie Schmerzen und eine starke Blendempfindlichkeit. "Die Therapie besteht dann in Salbenverband und Bettruhe", sagt Carsten Framme von der Universitätsaugenklinik Regensburg. "Meistens heilt die Hornhaut innerhalb von ein bis zwei Tagen wieder komplett zu." Folgeschäden blieben in der Regel bei der sogenannten Schneekrankheit aus.

Die irreversible Linsentrübung, der Graue Star, wird ebenfalls durch UV-Strahlen ausgelöst, entwickelt sich aber über eine jahrzehntelange "Einwirkzeit" des Sonnenlichts. Die blauen Lichtanteile dringen hingegen bis zu den tieferen Bereichen des Auges vor, also auch bis zur Netzhaut. Dort sorgen sie zusammen mit dem dortigen "Zellschutt", den sogenannten Lipofuszinen, für ein ausgesprochen feindseliges chemisches Milieu. Es schädigt die Netzhautzellen im gelben Fleck der Makula, die für das Scharfsehen zuständig ist. Am Ende steht die berüchtigte Makuladegeneration. Es ist die weltweit häufigste Erblindungsursache.

Am 22. Juli 2009 ist die nächste Sonnenfinsternis zu beobachten, ihr Schwerpunkt liegt über Indien, China, Japan und dem Pazifik. Trotz Warnungen werden wieder viele Menschen ungeschützt auf das Naturspektakel starren und danach wegen Solarretinopathie behandelt werden müssen. Deren Netzhautschäden zeigen sich erst 24 Stunden nach der Sonnenlichtexposition - und können im schlimmsten, aber auch sehr seltenen Fall zur Erblindung führen. Eine Behandlung dafür gibt es bislang noch nicht. Berühmte Opfer der Solarretinopathie waren die Naturwissenschaftler Galileo Galilei, Robert Boyle und Isaac Newton.

Gründe genug also, die Augen nachhaltig vor zu viel Sonne zu schützen. Den besten Schutz bieten neben dem Schatten die Sonnenbrillen. Chemiker und Augenexperte Professor Siegfried Hünig von der Universität Würzburg bemängelt jedoch, dass sie in Drogerien und Supermärkten, aber auch beim Optiker "fast ausschließlich unter modischen Gesichtspunkten verkauft werden". Von den meisten dieser Modelle sei nicht bekannt, welches Licht von ihnen in welchem Umfang absorbiert wird. "Man muss sogar damit rechnen, dass in einigen Fällen die verwendeten Filterfarbstoffe nicht lichtecht sind, sodass sich der ohnehin zweifelhafte Lichtschutz im Laufe der Zeit sogar verschlechtert", so Hünig.

Eine gute Sonnebrille sollte einen kompletten UV- und einen 95-prozentigen Blauschutz bieten und das übrige Licht zumindest deutlich dämpfen. "Graue oder bläuliche Gläser sowie solche, die Licht abdunkeln, erfüllen diese Anforderungen meist nicht", warnt Hünig. Oft vernachlässigt, aber mindestens genauso wichtig: Das Gestell der Brille muss wirklich passen. Aktuelle Studien zeigen, dass bei vielen Brillen bis zu 60 Prozent ungefiltertes Licht in die Augen kommt, obwohl die Gläser eigentlich das meiste davon abfiltern sollten. Der Grund: Die Strahlen kommen seitlich rein, weil das Brillengestell nicht richtig sitzt. Und das ist gleich doppelt fatal. Denn aufgrund der getönten Gläser sind die Pupillen weiter geöffnet als sonst, sodass sie das seitlich eindringende Licht bereitwillig bis zur Netzhaut vorlassen.

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