Buga 2009 in Schwerin: Kunst im Grünen

Sehenswert: Im Mittelpunkt der Bundesgartenschau in Schwerin steht die historische Entwicklung der Gartenbaukunst.

Kann mehr als Schloss, Tulpen und Renter: die Buga 2009 in Schwerin. Bild: dpa

Jede Bundesgartenschau hat die Kunst, die sie verdient. Das gilt im Besonderen für die Bundesgartenschau des Jahres 2009 in Schwerin, mit dem Schloss als Bezugspunkt und dem Motto "Sieben Gärten mittendrin". Sie bietet auf dem weitläufigen Gelände sieben unterschiedliche Gartenkonzeptionen an, die vom Barockgarten bis zum "Garten des 21. Jahrhunderts" reichen. Als eine Antwort auf dieses Angebot kann der Besucher die Kunst auf der Bundesgartenschau erleben.

Die Beteiligung der Kunst an den Gartenschauen ist schon Tradition, denn selbst die Documenta begann als Begleitveranstaltung einer Bundesgartenschau. Eine Hürde war diesmal vorgegeben: Die Künstler und Künstlerinnen mussten sich mit konkreten Entwürfen zum Thema bewerben und ihren Entwurf einer Jury aussetzen. In einem zweistufigen Verfahren wurden 212 Künstler bewertet, bis am Ende sieben übrig blieben, analog zu den jeweiligen Gartenkonzeptionen.

In spezifischer Weise ist jeder einzelne Garten auf dieser Bundesgartenschau auch eine Art Kunstwerk in sich selbst, sei es als Barockgarten in der künstlichen Überhöhung, sei es als englischer Garten scheinbar angelehnt an die Natur selbst. Das aber führt zu einer Wettbewerbssituation, bei der die bildende Kunst leicht ins Abseits gerät. Ein Beispiel dafür findet sich gleich zu Beginn der Schau im Bereich der Gärten des 21. Jahrhunderts. Dort hat Andreas Oldörp, Klangkünstler aus Hamburg, eine Installation aufgebaut, die mit speziell angefertigten Pfeifen arbeitet, konstruiert nach dem Vorbild der Orgelpfeife. Schon bei leichtem Wind entsteht ein leiser Klangteppich, der sich in das plätschernde Wasser und das Gräserrauschen drum herum integriert - allerdings nur dann zu erleben, wenn man sich dem Werk wirklich nähert. Doch davor bewahrt eine Absperrschnur den Betrachter.

Was bei Oldörp kaum ins Auge sticht, wirkt bei der Installation von Andreas Sachsenmaier auf der Liebesinsel im Burggarten einfach nur penetrant.

Der Bildhauer, Jahrgang 1967, lebt und arbeitet sowohl in Berlin als auch vor Ort in Schwerin. Die Idee ist schon hübsch und der Titel noch schöner, in Anlehnung an Gertrude Stein lautet er "Rose ist eine Rose", aber die Ausführung wirkt wenig überzeugend. Zu hören sind die Begleittexte zu Rosenarten, die in Gartenkatalogen aus verschiedenen Jahrhunderten angepriesen werden, mit durchaus ironischen Untertönen. Aber die für den Zweck überdimensionierten Megafone, mit ihren großen grünen Trichtern auf kurzen Stangen in Kniehöhe installiert, sind ein Fehlgriff sondergleichen. Wo soll denn vor dem inneren Auge ein imaginärer Rosenstrauch entstehen, wenn vor dem Betrachter eine Reihe dieser Lautsprecher steht, der ebenso gut auch auf einer grünen Minna stehen könnte?

Auch Fritz Balthaus Skulptur "Die Blume" geht an der äußersten Spitze der Marstall-Halbinsel verloren. Ursprünglich hatte der Künstler den historisch rekonstruierten Innenhof des Schlosses als Standort gewählt, auf dessen Dekorelemente seine Skulptur -eine Art Readymade aus allen nur erdenklichen Vögelabwehrmechanismen wie Greifvogelattrappen oder Edelstahlspikes -spezifisch geantwortet hätte. Doch die Veranstalter bestanden auf dem Umzug, und die Kuratorin Anne-Marie Freybourg beugte sich ihrem Wunsch.

Kirsten Johannsen, Medienkünstlerin aus Berlin, bietet in ihrem Beitrag zur Buga eine "Anleitung zum Paradiesbau" an. In einem zu diesem Zwecke aufgebauten Kiosk im Barockgarten werden dem Besucher sieben unterschiedliche paradiesische Orte für den Hausgebrauch vorgestellt, die man sich selber zusammenbauen kann. Geordnet nach den Sinneserfahrungen wie zum Beispiel Sehen, Riechen oder Hören, lassen sich eigene Wunschparadiese realisieren: Für 19 Euro, für die die Künstlerin ihre digitale Heilsversprechen-CD "constructing paradise" verkauft. Sollte aber das Paradies nicht gratis sein?

Auf der Suche nach den Kunstwerken kann man sich leicht auf dem Gelände verlaufen - und das ist auch ganz gut so. Dann erkundet man nebenbei Flora und Pomona, die römische Göttin des Obstsegens, in der Mischung von Schmuck- und Nutzgarten. Und wenn dort riesige Melonen zu entdecken sind, bekommt der Begriff "Kunst im Garten" eine ganz andere Bedeutung. Das eigenartige Gebilde, vor dem man plötzlich steht und in dessen Innerem Blumen aus der Luft zu wachsen scheinen, gehört allerdings wieder ins Feld der Kunst. Es stammt von Kai Schiemenz, ein ehemaliger Student von Lothar Baumgarten und kongenialer Bildhauer aus Berlin, der mit seiner - leider etwas überdimensionierten - Mischung aus Skulptur und Architektur Vorbilder der Renaissance kopiert. Unter dem Titel "Where the earth is the sky is the earth" stellt sein Beitrag zur Buga die Erde gleich mal auf den Kopf. Der Eindruck ist schön, fremdartig und überzeugend.

Ähnlich wirkt der alleinstehende Bauwagen von William Engelen, der in seinem Inneren eine Klangskulptur besonderer Art beherbergt. William EngeI, der in Berlin und Rotterdam lebt und arbeitet, ist Klangkünstler wie Andreas Oldörp. In seinem Gehäuse ist zu erleben, wie sich Wetter in Klang verwandelt, wobei desto mehr Streicher zu hören sind, je größer der Unterschied verschiedener Parameter zum Tagesmittelwert wird. Jorinde Gustavs "Viktorias Schwester" schließlich ist eine Referenz auf die Viktoria-Figuren der Orangerie. Die Künstlerin lebt in Stralsund, und in ihrem Atelier für Mode und Raum entstehen textile Objekte und Installationen. Ihre Figur hat jetzt nur noch ihr Kleid hinterlassen und der Text auf dem Kleid wird im Lauf der Ausstellung mehr und mehr verblassen - wie die Erinnerung an diese Ausstellung selbst.

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