Deutschland schlägt Aserbaidschan: Erst schlecht, dann herrlich

Die Leistung der deutschen Männer-Nationalelf schwankt weiter beträchtlich: Trotz eines frühen Treffers spielt Löws Team eine grottige erste Halbzeit. Dann plötzlich schönen Kombinationsfußball.

Raus aus der Formkrise: Miroslav Klose. Bild: reuters

HANNOVER dpa | Angeführt vom herausragenden Doppel-Torschützen Miroslav Klose hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft die erwarteten drei Punkte gegen Aserbaidschan eingefahren. Nach dem 4:0 (1:0) gegen das Team von Berti Vogts am Mittwochabend in Hannover kann die deutsche Elf sich am 10. Oktober in Moskau im Spiel gegen Russland bereits direkt qualifizieren für die WM 2010 in Südafrika.

Nach dem Sieg fühlt sich Bundestrainer Joachim Löw gegen die Russen im Vorteil: "Dass Russland gewinnen muss, ist klar", erklärte Löw. "Die Russen haben mehr Druck." Mit 22 Punkten führt das Team von Joachim Löw die Tabelle der Gruppe 4 vor Russland (21) an, das sich am Mittwoch in Wales mit 3:1 durchsetzte.

Auch die Spieler sahen es so. Es sei "sehr, sehr wichtig" gewesen, dass man die Tabellenspitze behaupten konnte, betonte Abwehrspieler Philipp Lahm. "Wir müssen nicht unbedingt gewinnen, die Russen müssen gewinnen." Russland sei allerdings ein "anderes Kaliber" als Aserbaidschan, warnte Kapitän Michael Ballack, der aber ergänzte: "Auch wir werden mit einer ganz anderen Spannung dahin fahren. Es wird ein echtes Endspiel."

An "Spannung" fehlte es der deutschen Elf zwischenzeitlich tatsächlich gegen den 139. der FIFA-Weltrangliste. Nach einem guten Start und einem frühen Tor gegen Aserbaidschan durch einen von Ballack verwandelten Foul-Elfmeter verloren die Deutschen plötzlich ihren Spielfluss. Zunehmend verschleppte man das Tempo und lullte sich regelrecht selbst ein.

Ergebnis: 4:0 (1:0)

Deutschland: Adler - Lahm, Mertesacker, Westermann, Schäfer (46. Beck) - Ballack, Hitzlsperger, Schweinsteiger (67. Trochowski), Özil , Podolski - Gomez (46. Klose)

Aserbaidschan: Kamran Agajew - Lewin, Junisoglu, Tschertoganow, Allachwerdijew - Sadichow, Schukurow, Abbasow, Mammadow (67. Husseinow) - Nadirow (57. Pereira), Dschawadow

Schiedsrichter: Kakos (Griechenland)

Tore: 1:0 Ballack (14./Foulelfmeter), 2:0 Klose (55.), 3:0 Klose (66.), 4:0 Podolski (71.)

Gelbe Karten: - / Pereira

Gelb-Rote Karten: - / Abbasow (50./wiederholtes Foulspiel)

Beste Spieler: Ballack, Podolski, Klose / Kamran Agajew, Schukurow

So wäre Adler beinahe von einem 35 Meter-Schuss von Alexander Tschertoganow (35.) überrascht worden, riss aber im letzten Moment die Fäuste hoch und verhinderte den drohenden Ausgleich. Lahm beklagte sich hinterher, das seien "mit die schlechtesten 20 Minuten" gewesen, die er in der Nationalmannschaft mitgemacht habe.

Löw reagierte und brachte für den wirkungslosen Marcel Schäfer den Hoffenheimer Andreas Beck, dafür rückte Philipp Lahm wieder auf die angestammte linke Abwehrseite. Als Glücksgriff erwies sich jedoch der Einsatz von Klose. Als dann auch noch Aserbaidschans Kapitän Samir Abbasow in der 50. Spielminute vom Platz gestellt wurde, spielten eigentlich nur noch die Deutschen. Miroslav Klose traf gleich zweimal nach schönen Spielzügen in der 55. und 66. Minuten. Lukas Podolski traf in der 71. Minute zum Endstand von 4:0.

Joachim Löw hatte in der Pause seiner Unzufriedenheit Luft gemacht. "Danach sind wir mehr über die Außen gekommen und haben auch mehr attackiert", meinte der Bundestrainer zufrieden und stellte fest: "Wir werden gut vorbereitet nach Moskau reisen."

Spielbestimmend im Angriff war diesesmal Miroslav Klose, der den glücklosen Mario Gomez abgelöst hatte. Dagegen war Mesut Özil vier Tage nach seiner Gala gegen Südafrika dieses Mal nicht die spielbestimmende Figur.

Dafür war Kapitän Ballack präsenter als zuletzt und erzielte zudem mit seinem 42. Länderspiel-Tor die wichtige Führung. Nur noch ein Treffer fehlt dem Wahl-Engländer, um in der DFB-Rangliste mit Uwe Seeler gleichzuziehen. Für Spielfreude im deutschen Team stand auch Podolski, während Bastian Schweinsteiger nach starkem Beginn abbaute.

In der Innenverteidigung standen Per Mertesacker und Heiko Westermann. Das neue Abwehrduo verrichtete seine Arbeit solide, wurde von den Gästen aber auch kaum vor Probleme gestellt. Dennoch verbrachte Rene Adler, der für den wegen einer Viruserkrankung fehlenden Robert Enke im Tor stand, wie schon am Samstag keinen ruhigen Abend, weil die Konzentration seiner Vorderleute nicht die komplette Spielzeit über anhielt.

Aserbaidschans Trainer Berti Vogts haderte mit dem Platzverweis. "Mit zehn gegen elf konnten wir nicht mithalten. Wenn die Kombinationsmaschine der Deutschen einmal läuft, haben wir keine Chance." Der ehemalige Bundestrainer glaubt, dass die Russen vor dem entscheidenden Heimspiel in Moskau "zu viel Respekt" vor den Deutschen haben dürften. "Ich drücke Deutschland die Daumen", sagte Vogts zum Abschied.

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