Datenschutz bei digitalen Büchern

Der Spion im E-Book

Digitale Lektüre ist praktisch: Man kann einst Gedrucktes in rauen Mengen mit sich führen und drahtlos neuen Lesestoff besorgen. Doch was passiert eigentlich mit meinen Daten?

Fast alle Anbieter von E-Books sichern sich weitreichende Nutzerrechte der Userdaten. Bild: reuters

Wer wann wo welches gedruckte Buch gelesen hat, geht niemanden etwas an. Deshalb fallen zum Beispiel die Ausleihlisten von Bibliotheken unter das strenge deutsche Datenschutzrecht. Doch was passiert eigentlich, wenn die Lektüre in digitaler Form vorliegt und über ein E-Book-Lesegerät oder eine entsprechende PC-Software konsumiert wurde?

Technisch gesehen ist das neue Medium ein Paradies für Datenschnüffler: Die Systeme können prinzipiell auf die Seite genau erfassen, wer sich für welche Information wann interessiert hat und diese ohne große Probleme drahtlos auf Statistikserver ins Internet hochladen - Kindle & Co. besitzen immer häufiger einen eingebauten Mobilfunksender, der jederzeit aktiv werden kann. Dank dem so genannten digitalen Rechtemanagement, das den Kopierschutz bei E-Books darstellt, sind die elektronischen Bücher zudem auf Einzelpersonen "gebucht". Die müssen sich mit Name und Passwort vorher anmelden, bevor sie Zugriff auf ihre elektronische Bibliothek mit dem Lesestoff erhalten.

Die Netzbürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) beobachtet den Markt für digitale Güter schon länger - und bemängelt regelmäßig die Gängelung der Kunden durch Medienkonzerne. Zu Weihnachten hat sie sich nun mit dem Datenschutz bei elektronischen Büchern beschäftigt - und kam zu teilweise erschreckenden Ergebnissen. So sind die Nutzungsbedingungen vieler Anbieter erstaunlich freizügig. Jedenfalls für die Konzerne, die die E-Books verkaufen.

Amazons beliebter E-Reader Kindle darf so laut EFF drahtlos "Informationen über die Nutzung des Gerätes" an seine eigenen Server übertragen. Das Gerät speichert außerdem, welche Produkte gelesen und welche Suchbegriffe verwendet wurden und verknüpft sie mit dem Amazon-Account. Ebenfalls erfasst wird eine Liste mit allen jemals gekauften Werken. Amazon macht das auch für physische Produkte. So kann mancher Stammkunde noch seine Einkäufe von vor zehn Jahren ansehen. Die von Amazon erfassten Daten werden auf gerichtliche Anordnung an Dritte herausgerückt, der Konzern sichert sich aber auch zu, gesammelte Infos "zum Schutz eigener Rechte und derer anderer Parteien" zu nutzen. Der Kunde kann sich derweil nur aus bestimmten Marketing- und Werbeprogrammen zurückziehen, so die EFF.

Google Books, der Internet-Buchservice der Suchmaschine, hat ebenfalls erstaunlich viele Möglichkeiten zur Datenerfassung implementiert. So speichert der Dienst laut EFF nicht nur gelesene Bücher, sondern auch alle angeklickten Seiten. Suchdaten mit Internet-Protokoll-Adresse werden 18 Monate vorgehalten und auf Wunsch mit dem Nutzernamen verknüpft. Auch Google rückt Daten auf Anordnung an Ordnungshüter heraus, lässt sich aber ebenfalls zusichern, sie mit "dritten Parteien" zu teilen. Immerhin verspricht Google nebulös, besonders sensible Daten von weniger problematischen zu trennen.

Barnes & Noble stellt mit dem Nook einen direkten Kindle-Konkurrenten, der derzeit allerdings nur in den USA angeboten wird. Dort äußert man sich zur Erfassung des Lektüreverhaltens nicht, räumt aber ein, dass Suchanfragen und Seitenabrufe auf dem Web-Angebot des Buchhändlers erfasst werden. Daten werden mit Behörden auf Anordnung geteilt, aber auch mit Dienstleistern und Tochterfirmen. Nutzerinformationen können Kunden jederzeit verändern.

Sonys Reader, der in Deutschland lange Zeit das einzige E-Book-Lesegerät mit elektronischer Tinte stellte, erweist sich laut EFF unterdessen als Datenschutzprimus. Das Gerät speichere keine Daten über Inhalte und sammelt nur dann Suchanfragen, wenn im E-Book-Laden der Firma eingekauft wird. Buchkäufer werden wiederum nur im eigenen Buchladen erfasst, nicht auf dem Gerät.

Dem Reader dürfte entgegenkommen, dass er in der Grundversion ohne Mobilfunkschnittstelle kommt - würde Sony Daten sammeln, müssten diese mühsam per USB-Kabel und dann weiter per Internet an den Hersteller transportiert werden. Manchmal hat Low-Tech eben auch etwas Gutes.

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