Die Woche: Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?

Russland und die USA entspannen, Merkel lässt sich nicht in die Küche sperren, und das iPad muss billiger werden.

taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht letzte Woche?

Friedrich Küppersbusch: Themenfreier Wahlkampf in NRW. Grüne wollen "Volksabstimmung über Atomkraft" draus machen.

Was wird besser in dieser?

Da NRW kein AKW hat, ist CDU bereit, eines zu bauen, gegen das Grüne dann sein können.

Russland und die USA haben das Abrüstungsabkommen unterzeichnet. Rückt der Traum von einer Welt ohne Atomwaffen ein wenig näher ?

Offenkundig bekommt man die Russen eher zum Atomwaffenverzicht - als die Republicans zum Sozialstaat. Für diese zutreffende Einschätzung hätte man in den 80ern hier Berufsverbot im öffentlichen Dienst bekommen. Das alte Start-Abkommen lief aus, und Obama und Putin nutzen die Gunst der Entspannung, Sprengköpfe und Träger noch mal deutlich zu reduzieren. Nüchtern betrachtet, bildet das nur den Istzustand ab. Eine direkte Konfrontation USA/Russland gibt es nicht; China ist nicht einbezogen, und welcher Irre morgen auf den Knopf drückt, weiß auch mit diesem Vertrag niemand. Es werde womöglich mehr als eine Amtszeit dauern, aus Start ein echtes Stopp zu machen, sagt Obama. Manchmal isser schon ein Lauser.

Seit zehn Jahren ist Angela Merkel CDU-Chefin. Ihre Bilanz?

Die Ermannung der Trümmerfrau. Merkel hat die CDU bekommen, wie eine ferne Verwandte eine Messiebude erbt. Alle nahen Verwandten Kohls - von Rühe über Wulff bis Rüttgers - griffen nicht zu oder hingen wie Schäuble und Koch mit drin, waren wie Merz zu grün, wie Blüm zu alt. Und sie alle wollten Merkel, die Meistunterschätzte, erst mal den Dreck wegräumen lassen. Inzwischen ist die Union wieder ein stattliches Haus, und Merkel hat nicht den Fehler ihrer Müttergeneration gemacht, sich zum Dank fürs Aufräumen wieder in die Küche sperren zu lassen.

Wegen des drohenden Ärztemangels in Deutschland will Gesundheitsminister Philipp Rösler den Numerus clausus an Universitäten für Medizinstudenten abschaffen und den Schwerpunkt auf Auswahlgespräche legen. Kann bald jeder Arzt werden?

Wenn der so spontimäßig praktiziert hat, wie er jetzt publiziert, werden seine Patienten seinen Wechsel in die Politik begrüßt haben. Für Schweinegrippe-Smarties ein Vermögen verballert, Pharmagünstlinge ins Ministerium geholt, die Beitragszahler mit Kopfpauschale verunsichert, eine unausgegorene Medikamentenbepreisung verkündet, und nun also Studienreform. Wer bei Rösler mit Kopfschmerzen im Wartezimmer sitzt, ist froh, wenn er ohne Beinamputation wieder rauskommt. Also langsam: Ja, deutsche ÄrztInnen fliehen ins Ausland, weil es da humanere Arbeitsbedingungen und faire Gehälter gibt. Ja, ein NC von 1,4 und Latinum sagen wenig, Bio-LK und Zivildienst im Pflegeberuf etwa sagen viel mehr. - Auswahlgespräche klingt allerdings etwas nach Willkür, und wenn Rösler ne Studienreform machen darf, möchte ich eine Gesundheitsreform von Frau Schavan. Rösler ist drauf und dran, dem Berufsbild Krankenhausclown neue Bedeutung zu verleihen.

Mercedes wird jetzt Volkswagen. Gibt es bald nur noch einen Autohersteller auf der Welt?

In Europa scheint Volkswagen stark, also VW, Audi, Porsche, Skoda, Seat, Bugatti. Die Daimler-Renault-Nissan-Allianz verspricht ebenfalls hohe Stückzahlen. Am Beispiel Saab und Volvo müsste nun mal langsam BMW nervös werden. Fiat ist so überschuldet, dass sie sich über den Kauf von Opel sanieren wollten - gescheitert. Also, zwei große Automobilgruppen in Europa scheinen mir nicht unrealistisch.

Am Freitag beginnt in Regensburg der Prozess gegen den Bischof und Holocaustleugner Richard Williamson wegen Volksverhetzung. Ein sinnloses Unterfangen?

Unklar, ob der Hassprediger aus Großbritannien auch vor Gericht erscheint. Er hatte nahe Regensburg einem schwedischen TV-Team Holocaustlügen aufgetischt. Zuvor hatte der Wirsindpapst in Regensburg den Islam in gewählten Zitaten bepöbelt. Und dann noch die Geschichte mit Ratzes Bruder, dem Regensburger Dummspatzen. Hey … Taliban! Die Stadt kann nichts dafür!

Das iPad ist da. Wird es die Welt verändern?

Ich warte immer, bis es billiger wird und besser bedienbar. Fragen Sie gern wieder nach.

HSV-Stürmer Paulo Guerrero warf einem Fan eine Trinkflasche mitten ins Gesicht - und wurde vom DFB für fünf Spiele gesperrt. Ein gerechtes Urteil?

Na ja, bis Saisonende, und danach hat er keinen Vertrag mehr.

Und was machen die Borussen?

Aus Protest gegen Fanschikanen des DFB zehn Minuten im Stadion sitzen und Zeitung lesen … wer denkt sich so was aus? BVB-Ultras, die sicherstellen wollen, dass Schalker Fans definitiv nicht mitmachen können? Und wenn die so tun und die Bilder gucken, hm?

FRAGEN: JUH/SAN

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