Proteste in Südafrika: Der Unmut der Ordner

In Durban demonstrieren Tausende gegen schlechte Arbeitsbedingungen zur WM. Was als Unmut einiger Ordner begann, wird zum Problem für Fifa und Regierung.

"Zuerst die Menschen, dann der Profit" fordern die Demonstranten. Bild: ap

DURBAN/JOHANNESBURG taz | Was vor drei Tagen als Unmut einiger Ordner der privaten Sicherheitsfirma Stallion über schlechte Bezahlung beim WM-Einsatz in Durban begann, weitet sich jetzt offenbar landesweit aus. Über 3.000 Menschen gingen am Mittwoch in Durban auf die Straße und forderten nicht nur bessere Löhne für das Stadionpersonal, sondern auch eine sozialere Fußballweltmeisterschaft. Unter der Parole "WM für alle!" zogen Wachpersonal sowie im Vorfeld der WM aus dem Stadionumfeld vertriebene Straßenverkäufer und Fischer durch die Straßen.

Ein Versuch der protestierenden Ordner, das Stallion-Gebäude anzuzünden, scheiterte. Zusätzlich aufgeheizt wurde die Stimmung durch die Nachricht, dass eine Frau unter den Demonstrierenden, deren Protest vor dem WM-Stadion von Durban nach dem Deutschlandspiel in der Nacht zum Montag von der Antiaufstandspolizei mit Gummigeschossen und Tränengas aufgelöst worden war, gestern im Krankenhaus ihren Verletzungen erlag. Auch in Johannesburg demonstrierte Stadionpersonal gestern vor dem Ellis-Park-Stadion und verlangte die Einhaltung ursprünglicher Lohnzusagen.

Inzwischen werden mehrere WM-Stadien bestreikt. Die Fifa hat der Firma Stallion die Rote Karte gezeigt, die südafrikanische Polizei hat bis auf Weiteres in fünf Stadien die Sicherheit übernommen. Über 1.000 Polizeiauszubildende der Polizeiakademie Pretoria kommen nun kurzfristig zum Einsatz. Aber in Port Elizabeth in der Provinz Ostkap gab es sofort Streit über die Frage der Ernährung und Unterbringung der zusätzlichen Kräfte. Dies soll jedoch rasch geklärt worden sein.

Inzwischen verlangt Südafrikas Gewerkschaftsdachverband Cosatu ein Treffen mit der Fifa, um die Situation zu klären. Die internationale Fußballorganisation ist durch die Proteste in Verruf geraten. Sie schweigt offiziell und sagt, sämtliche Probleme mit Stallion seien Sache des südafrikanischen WM-Organisationskomitees. Es war aber die Fifa selbst, die die Verträge mit den lokalen Stadionarbeitern ursprünglich abschloss, sagt die zuständige Gewerkschaft Satawu (South African Trade and Workers Allied Union). Mit Hilfe des einheimischen Organisationskomitees sei dann Stallion beauftragt worden, sagt Jackson Simon, Satawu-Koordinator für den Sicherheitssektor. "Wir haben allerdings die Arbeitsverträge nie gesehen. Das wollten wir schon 2009, doch die Fifa ist bis heute nicht transparent."

Die Sicherheitskräfte behaupten, ihnen seien 500 Rand (50 Euro) pro Tag versprochen worden, aber nur 180 bis 200 Rand pro Tag werden ausgezahlt. In den beiden Stadien von Johannesburg geht es um 4.000 Angestellte, in Kapstadt um 3.800 und in Durban um 3.500. In den anderen Austragungsorten arbeitet eine ähnliche Anzahl lokaler privater Ordnungskräfte. "Der Streik könnte noch hässlicher werden, wenn Putzleute und Transportangestellte auch beginnen, sich zu beschweren", fürchtet Simon.

Die Fifa und das lokale Organisationskomitee haben sich bisher zurückgehalten und auf interne Arbeitsbeziehungen in der hauptsächlich betroffenen Firma Stallion Security hingewiesen. Aber Satawu will nun schnelle Gespräche, damit die Streiks und damit die Schande für Südafrika nicht ausufern. Simon: "Wir wollen nicht nur ein Treffen, sondern eine Lösung."

So entwickelt sich die Lage jetzt doch anders, als Südafrikas Präsident Jacob Zuma vor der Fußball-WM gehofft hatte: Eine Streikwelle im Transportwesen war zur Ruhe gekommen, und Zuma war sich sicher, während der WM werde es keine weiteren Streiks in Südafrika geben. Die Gewerkschaften, die mit der Regierung und dem von Präsident Zuma geführten ANC (Afrikanischer Nationalkongress) zunehmend unzufrieden sind, wollen offenbar nicht so lange warten.

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