Kommentar Gewalt von und gegen Polizisten

Knüppeln wie im Folterstaat

Die Auseinandersetzung zwischen Polizisten und Anwohnern in Neuwiedenthal wirft eine alte Frage mit erschütternder Schärfe neu auf: Ist die Polizei primär Opfer oder Verursacher von Gewaltexzessen?

Die Auseinandersetzung zwischen Polizisten und Anwohnern in Neuwiedenthal wirft eine alte Frage mit erschütternder Schärfe neu auf: Ist die Polizei primär Opfer oder Verursacher von Gewaltexzessen?

Zwei Tage nach den Kämpfen scheint klar: Der Zusammenstoß ist der blutige Höhepunkt eines lange schwelenden Konflikts zwischen einer Szene junger männlicher Einwanderer und der Polizei. Offenbar haben sich über Jahre jede Menge Frust und Hass aufgestaut.

Direkt nach dem Vorfall kann man sich nur auf den Augenschein stützen, und der legt in Form eines Videos nahe, dass die Polizisten viel falsch gemacht haben: Einer malträtiert einen wehrlos am Boden liegenden Betrunkenen ohne erkennbaren Grund mit dem Knüppel - wie in einem Folterstaat. Der zweite Polizist bedroht Passanten mit dem Knüppel - und provoziert sie mit Worten wie "komm her, du Feigling". Dabei zeigen die zu diesem Zeitpunkt, so weit man das sehen kann, Zivilcourage: Sie versuchen, das Opfer vor Willkür zu beschützen und erkundigen sich, erregt aber sachlich, nach seinem Vergehen. Was man eben so tun kann, wenn man nicht die Polizei rufen kann.

Wenn Polizeigewerkschafts-Boss Joachim Lenders mit "Abschaum" diese Leute meint, dann sollte er schon mal nach einer adäquaten Bezeichnung für Kollegen suchen, die auf Wehrlose einprügeln.

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Jan Kahlcke, geboren 1967, von 1999 bis 2003 Volontär und Redakteur bei der taz.bremen, kehrte nach freien Lehr- und Wanderjahren 2007 als Redaktionsleiter zur taz.nord zurück

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