"Verschlossene Auster" für katholische Kirche: Vertuscht, verschleiert und verleugnet

Für ihren Umgang mit dem Missbrauchsskandal erhält die Kirche den Negativ-Preis der Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche als "Informationsblockierer des Jahres".

Der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp (re.) mit "Auster" und SZ-Journalist Heribert Prantl. Bild: netzwerk recherche

Die wenigsten holen ihn ab - Matthias Kopp kam. Bei der Jahrestagung des Netzwerks Recherche nahm der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz den "Preis" persönlich entgegen.

„Die Deutschen Bischöfe geben bei der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle nur die Tatsachen zu, die sich nicht mehr leugnen lassen. Die katholische Kirche respektiert den Anspruch der Öffentlichkeit auf frühzeitige und vollständige Information nicht und widerspricht damit ihren eigenen Werte-Postulaten nach Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit“, begründete die Jury ihre Entscheidung. In einer bewegenden "Laudatio" auf den Preisträger sagte der SZ-Journalist Heribert Prantl, der einst selbst Messdiener beim heutigen Papst Josef Ratzinger war, "eine Gemeinschaft, die vom Wort lebt wie keine andere, hat die Sprache verloren. Sie ist sprach- und sprechunfähig geworden, nicht nur, aber vor allem, wenn es um ihr Verhältnis zur Sexualität geht". Wer so viele Tabus habe, dem gehe die "Wahrhaftigkeit" ab, sagte Prantl, der ab 2011 in die Chefredaktion des Blattes aufrückt.

"Wir haben als katholische Kirche die größte Krise seit 1945", sagte Bischofskonferenz-Sprecher Kopp. "Ja, wir haben uns zu lange vor die Täter gestellt und nicht auf die Opfer geschaut. Ja, wir haben Kommunikationsfehler gemacht", fügte er hinzu. Man habe aber längst umgedacht und erwarte von den Medien "Fairness". Bis auf Einzelfälle sei die Berichterstattung auch fair gewesen, sagt Kopp. Das Symbol der Auster wertete er auch positiv: Die Auster wirke von außen zwar verschlossen und abschreckend, "aber innen kann sich etwas sehr, sehr Wertvolles finden".

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