HSH Nordbank: Die Sicherheitsleute des Dr. No

Staatsanwaltschaft durchsucht Büros einer Sicherheitsfirma, die im Auftrag der Landesbank tätig ist. Dubiose Vorgänge um Kündigungen und Kinderporno-Vorwürfe.

Muss seine Auftragsvergabe durchleuchten lassen: Nordbank-Chef Dirk Jens Nonnenmacher. Bild: dpa

Es waren rund hundert Polizisten, die der Sicherheitsfirma Prevent AG einen unangemeldeten Besuch abstatteten. Deren Büros in Hamburg, München und Frankfurt wurden, wie erst am Wochenende bekannt wurde, bereits am Mittwoch voriger Woche von der Staatsanwaltschaft Kiel durchsucht. Im Visier haben die Fahnder indes offensichtlich einen großen Auftraggeber von Prevent - die krisengeschüttelte HSH Nordbank.

Es geht um den Verdacht, das Institut habe im Frühjahr 2009 über Prevent eine falsche Spur gelegt, um HSH-Vorstandsmitglied Frank Roth als angeblichen Informanten der Presse zu belasten. Roth hatte kurz danach die fristlose Kündigung erhalten. Ein Sprecher der Nordbank wollte die Durchsuchungen nicht kommentieren.

Zwischenzeitlich hat die Bank ihren Vorwurf gegen Roth relativiert. Er habe vertrauliche Strategiepapiere möglicherweise nicht absichtlich weitergegeben, sondern fahrlässig. Er habe durch Unachtsamkeit zugelassen, dass Unbefugte die Papiere an sich nehmen konnten: Roth soll schlicht seinen Schreibtisch nicht aufgeräumt haben. Dadurch habe er "die Kenntniserlangung Dritter von ihm persönlich zur Geheimhaltung anvertrauter Unterlagen in Kauf" genommen, zitiert der Spiegel aus einem Schreiben einer Nordbank-Anwältin. Roth wertet diese Argumentation als "in jeder Beziehung absurd".

Auch in einem zweiten mysteriösen Vorgang soll die Prevent eine dubiose Rolle gespielt haben: Die New Yorker Staatsanwaltschaft untersucht die seltsamen Umstände beim Rauswurf des dortigen HSH-Filialleiters. Diesem sollen Kinderporno-Fotos untergeschoben worden sein, um ihn entlassen zu können. Die Prevent AG, die laut Spiegel allein 2009 Aufträge für mehr als sieben Millionen Euro von der gemeinsamen Landesbank von Hamburg und Schleswig-Holstein erhalten haben soll, bestreitet auch in diesem Fall jedes ungesetzliche Handeln.

Nach Informationen der taz hatte die Firma die Kinderporno-Vorwürfe gegen den Filialleiter "nicht erhärten" können und dies dem Auftraggeber Nordbank auch so mitgeteilt. Es handle sich lediglich um "unbestätigte erste Informationen", heißt es in einem Prevent-Schreiben. Hochrangige Mitarbeiter der Firma hätten deshalb in New York entgegen eines Medienberichts "nicht als Beschuldigte" ausgesagt, sondern als Zeugen.

Die Razzia zielt möglicherweise auch auf HSH-Vorstandschef Dirk Jens Nonnenmacher. Der soll einen Vertrag mit Prevent im Alleingang abgeschlossen und damit gegen Vorschriften verstoßen haben. Denen zufolge müssen immer mindestens zwei berechtigte Vertreter der Bank einen Vertrag unterschreiben. Die Vereinbarung über Konzepte für die Konzern- und IT-Sicherheit sowie Schulungen wurde im August 2009 zwar im Namen des gesamten Vorstandes geschlossen, unterschrieben ist sie jedoch nur von Nonnenmacher - und von zwei Prevent-Managern.

Wie juristisch relevant dieser Umstand ist, ist allerdings bislang ungeklärt. Nach Angaben eines Banksprechers wurden die Kontrakte "nach den Ressortverantwortlichkeiten von zeichnungsberechtigten Mitarbeitern ordnungsgemäß unterschrieben".

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de