Kommentar Bombenattrappe: De Maizieres Testlauf

Eine Kofferbombe als Sicherheitsprüfung? Warum nicht! Angesichts der Überreaktion mancher Politiker erleichtert die relative Gelassenheit der Bevölkerung.

Die Kofferbombe von Windhuk war gar keine - ein Testlauf nur, eine Sicherheitsüberprüfung. Das ist sinnvoll, und die Probe ist bestanden. Völlig verantwortungslos ist es hingegen, wenn so ein Test als Bombenfund an die Öffentlichkeit gerät und selbst die Behörden im vorgeblichen Adressatenland offenbar nicht informiert sind.

Da drängt sich dann doch der Verdacht auf, dass hier jemand Ängste schüren will. Wer den Koffer auf den Weg gebracht hat, ist noch nicht bekannt - hergestellt ist die Attrappe in den USA.

Seit Innenminister Thomas de Maizière am Mittwoch die Warnungen vor eventuellen Terroranschlägen in Deutschland Ende November in die Öffentlichkeit gebracht hat, rechtfertigt er sich dafür - nur helfen seine Erklärungen überhaupt nicht weiter. Die Bevölkerung solle so weiterleben wie bisher, sagt der Minister. Danke, das hätten wir wohl ohnehin getan.

Angesichts der neuen Lage habe er nicht anders gekonnt, als die Öffentlichkeit zu informieren, heißt es überall. Warum eigentlich? Polizei und Sicherheitsbehörden müssen sich gewiss einer veränderten Gefährdungslage anpassen - von der wir nichts wissen, außer dass die Regierung sie behauptet. Aber das können sie ganz im Stillen tun.

Es gibt eigentlich nur zwei denkbare Begründungen für de Maizières Vorstoß: Der Minister rechnet tatsächlich mit einem Anschlag und will Aktivität demonstrieren, um anschließend besser dazustehen. Das wäre ein furchtbares Spiel.

Oder aber man hofft darauf, mit Handlungs- und Kommunikationsdruck Fehler bei jenen zu provozieren, die womöglich tatsächlich irgendetwas planen. Dazu würde genügen, was schon gemacht wird: Durchsuchungen, Überprüfungen, Festnahmen zum Verhör.

Angesichts der Überreaktion mancher Politiker erleichtert die relative Gelassenheit der Bevölkerung. Was sollen die Leute auch machen? Sie leben ihr Leben - trotz de Maizière.

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Jahrgang 1965, Nicaragua-Aktivist in den 80ern, seit 1994 in der taz-Auslandsredaktion. Spezialgebiete USA, Lateinamerika, Menschenrechte. 2000 bis 2012 Mitglied im Vorstand der taz-Genossenschaft. In seiner Freizeit aktiv bei www.geschichte-hat-zukunft.org

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