Rechtsextreme in sozialen Netzwerken: Neonazis zum Anklicken

Sie protzen mit den neusten Rechtsrock-Videos und ihren tiefergelegten Autos. Wie "Odinssohn88" und "WeiSSer HaSS" im Internet Freundschaften knüpfen.

Nach Hitler muss man auf Facebook nicht lange suchen. Bild: picture-alliance/dpa

Wenn es stimmt, ist Katzowpaule 23 Jahre alt, knapp 1,80 Meter groß und rund 80 Kilo schwer. Seine Hobbys sind "Angeln, Motorradfahren und Autofahren, Feuerwehr, mein schatz und alles was noch so viel spaß im leben macht".

So hat es Katzowpaule über sich ins Internet geschrieben. Seinen richtigen Namen hat er nicht angegeben. Aber das Foto, das er für seine virtuelle Selbstdarstellung gewählt hat, zeigt einen jungen Mann mit entblößtem Oberkörper, lässig umgehängtem E-Bass, Bier trinkend. Über sich selbst schreibt er: "alle sagen das ich ein rassist bin, naja".

An seiner Gesinnung lässt Katzowpaule in seinem Online-Profil wenig Zweifel: Er ist rechtsextrem. Als virtuelle Heimstatt hat Katzowpaule sich nicht Facebook ausgesucht, sondern NB-Town.de, eine Community für das mecklenburg-vorpommersche Neubrandenburg und die Umgebung.

Und NB-Town hat genau wie die großen Vorbilder ein Problem: Die Sozialen Netzwerke im Internet sind unfreiwillige Dienstleister für Neonazis. Wer sich durch die Profile von Katzowpaules Online-Freunden klickt, verirrt sich leicht im Gewimmel rechtsextremer Nutzer und Nutzerinnen - und ihrer virtuellen Interessengruppen. So entstehen Strukturen und Selbstbewusstsein.

Dass rechtsextreme Propaganda bei NB-Town verboten ist, kümmert die Neonazis wenig. Alex Zerling, der Gründer von NB-Town, weiß um das Problem. Er sperrt und löscht rechtsextreme Profile, sobald jemand ihn auf sie hinweist oder er selbst anstößige Inhalte entdeckt. Verglichen mit Anbietern wie Facebook verhält er sich geradezu vorbildlich. Gerade die Betreiber der größeren Communitys hätten eigentlich das Geld für eine ehrgeizigere Kontrolle – doch offensichtlich fehlt ihnen das Interesse daran.

Wie groß der Imageschaden sein kann, den Rechtsextreme anrichten, bekam Facebook 2009 zu spüren. Das deutsche Weblog Boocompany hatte unter dem Titel "Nazisumpf Facebook" eine lange Liste mit Facebook-Seiten veröffentlicht, die, so der anonyme Blogger, "noch sehr vorsichtig formuliert, mit meinem Verständnis von freier Meinungsäußerung nicht in Einklang zu bringen sind". Gemeint waren Gruppen wie "Meine Ehre Heißt Treue", "Greatest Leader of ALL Time: Adolf Hitler" oder "HOLOCAUST DENIERS OF THE WORLD UNITE!!". Das sorgte weltweit für negative Facebook-Schlagzeilen.

Dennoch ändert sich am Status quo wenig - auch in deutschen Portalen. Egal ob bei unabhängigen Social Networks wie Kwick.de und Jappy.de oder bei wer-kennt-wen.de (RTL), Lokalisten.de (Pro7Sat1) und StudiVZ & Co (Holtzbrink): Oft drohen die Betreiber, wie beispielsweise Jappy.de, bei "politischen Aussagen bzw. rechter Gesinnung" mit Sperrung des Accounts oder verweisen, wie Lokalisten.de, auf ein "großes Support-Team", das dafür sorge, "dass die Plattform 'sauber' bleibt". Meist heißt es aber im Kleingedruckten, eine "proaktive Kontrolle" sei nicht möglich sei. Das wars. Nach "88"-Grüßen, einschlägigen Gruppen muss man nirgends lange suchen.

Eine Reportage auf den Medienseiten der sonntaz beschreibt, wie Rechtsextreme die Betreiber Sozialer Netzwerke austricksen und die Communities zur Vernetzung ausnutzen, was die von vielen Portalen propagierte Selbstkontrolle durch User bringt und welche Rolle staatliche Stellen bei der Eindämmung der Propaganda spielen können. Der Text ist ein gekürzter und aktualisierter Vorabdruck aus dem Buch "Heile Welten. Rechter Alltag in Deutschland“, das im Carl Hanser Verlag erscheint und für 15,90 Euro ab 7. Februar im Handel erhältlich ist.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de