Als die Mutter ihrer Tochter Botox gab: Ein Schwindel für die Medien?

Die Geschichte der "Sun" von einer Mutter, die ihrer kleinen Tochter angeblich Botox spritzen ließ, ging um die Welt. Nun behauptet die Frau, alles sei erfunden – gegen Bezahlung.

Hier nahm die Geschichte ihren Ausgang: "The Sun" vom 23. März 2011. Bild: screenshot thesun.co.uk

SAN FRANCISCO/LONDON dpa | Die skandalöse Geschichte von einer Mutter in Kalifornien, die ihrer achtjährigen Tochter angeblich das Anti-Falten-Mittel Botox spritzte, war womöglich ein Schwindel. In Videoclips, die der US-Internetdienst Tmz.com am späten Donnerstag (Ortszeit) veröffentlichte, behauptet die Frau, sie habe die Story für ein Entgelt von 200 Dollar (etwa 140 Euro) erfunden. Auch taz.de hatte die dpa-Meldung in seiner Rubrik "was fehlt ..." weiterverbreitet.

Inzwischen untersuchen die Behörden den Fall wegen möglichen Kindesmissbrauchs. Ob sich die "Botox-Mom" Sheena Upton mit ihrer jüngsten Aussage vor rechtlichen Folgen schützen will oder das Setzen der angeblichen Nervengiftspritzen wirklich nur vorgespielt hat, war zunächst nicht mit Sicherheit zu sagen. Laut der Mutter wurden die Szenen in einem Schönheitssalon gestellt.

Sheena Upton behauptet in einer von Tmz.com verbreiteten Erklärung auch, eine "britische Firma" habe sie gebeten, sich für "ein britisches Boulevardblatt" als Mutter mit dem erfundenen Namen Kerry Campbell auszugeben. Vor Fernsehkameras behauptete sie später, ihre Tochter gespritzt zu haben, um sie für Schönheitswettbewerbe hübscher zu machen.

Die britische Zeitung The Sun wies Vorwürfe zurück, sie habe die Frau zum Erfinden der Geschichte angestiftet und dafür bezahlt. Man habe angenommen, die Frau sage die Wahrheit, als man am 23. März einen Bericht druckte. "Der Artikel wurde in gutem Glauben veröffentlicht", hieß es am Freitag in einer Stellungnahme. Viele Medien auf der Welt hätten die Geschichte ebenfalls aufgegriffen. Am 18. Mai hatte Sun die Geschichte noch einmal weitergedreht.

Die Sun selber habe die gesamte Story "von einer angesehenen, britischen Nachrichtenagentur" erhalten. Ein Journalist der Nachrichtenagentur habe Kerry Campbell zugesehen, wie sie ihrer Tochter eine Flüssigkeit, die Botox zu sein schien, gespritzt habe. Außerdem habe die Agentur Fotos geliefert.

"Die Sun hatte zu keinem Zeitpunkt irgendeinen direkten Kontakt zu Kerry Campbell oder Sheena Upton", hieß es in der Stellungnahme. In einem Bericht vom 18. Mai hatte die Zeitung allerdings noch berichtet, sie habe exklusiv mit Campbell gesprochen. Man untersuche derzeit die Umstände der Geschichte und prüfe rechtliche Schritte, hieß es von der Sun.

Die Frau war in jüngster Zeit auch in den US-Sendungen "Good Morning America" und "Inside Edition" aufgetreten. Ihr sei dafür eine "große Summe" versprochen worden, versicherte die Frau jetzt. Ein Sprecher des Senders ABC sagte Tmz.com, sie würden die neuesten Enthüllungen "gründlich untersuchen", um die Wahrheit ans Licht zu bringen.

In der Sendung "Good Morning America" hatte auch die Tochter in der vergangenen Woche von den Spritzen erzählt. Die Achtjährige sagte, dass das wehtue, aber dass sie den Schmerz gern in Kauf nehme. Auch andere Mütter spritzten vor Schönheitswettbewerben ihren Töchtern das Anti-Falten-Mittel, hatte die Mutter behauptet.

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