Actiontheater für Puppen: „Brutal sind wir auch“

Das Puppentheater Das Helmi zeigt in Hannover eine Adaption des Schwarzenegger-Films „Terminator 2“.

Diese Maschine kocht auch nur mit Wasser: Terminator in Helmi-Variante. Bild: Katrin Ribbe

Was für eine Vorlage – dieser Hybrid aus Action-, Science-Fiction- und Horrorfilm mit Hightech-Special-Effects, Stunt-Artistik, Ballerfeuerwerk und dem österreichischen Bodybuilder-Monument Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle. James Camerons „Terminator 2“ im Theater nachzumachen, „das ist bescheuert“, meint Dramaturg Aljoscha Begrich. Gegen die Überwältigungsästhetik des Kinos könne man nur verlieren.

Ziemlich anders inszeniert daher das Puppentheater „Das Helmi“ den Stoff in seiner gleichnamigen Adaption, die am 17. Januar in Hannover Premiere hat. Mit Knautschgaudipuppen soll ein Schauspielspaß entstehen für Menschen ab zwölf. Gilt die Altersgrenze wegen der expliziten Gewaltdarstellungen? „Viel vom Film haben wir verdampft“, sagt Regisseur Florian Loycke, „aber brutal sind wir natürlich noch, zeigen Verfolgungsjagden und reichlich Schießereien, die hauen sich auf der Bühne immer wieder auf den Kopf und bringen sich auf alle erdenkliche Arten um, da gibt es also schon ein bisschen was zu sehen, was für Kinder unheimlich ist.“

Ferner, sagt Loycke, spiele man „auch die sonst unheimlich teuren Spezialeffekte live nach – mit Schaumstoff und in Zeitlupe“. Das klingt nach skurrilem Hippie-Schalk, der auch prima zur Technologiekritik des Films passen würde. Der Plot: Im Kampf Mensch gegen Maschine senden die Menschen einen umprogrammierten T-800-Terminator in die Vergangenheit, um ihren zukünftigen Anführer zu beschützen, der von einem T-1000-Terminator terminiert werden soll.

Die gefühllose T-800-Beschützer-Maschine kommt dabei zu Bewusstsein, sie wird von der heiligen Familie aus Sarah und John Connor sozialisiert und vermenschlicht sich zum Vater, der dann den Märtyrertod stirbt, um zum Wohle der Menschheit das Killerprogramm auf seinem Hirn-Chip zu zerstören. Sein Gegenspieler, der T-1000, wird dagegen wie der Antichrist im Feuer der Apokalypse versenkt.

„Das Offensichtliche und Pathetische dieser Anleihen an christlich-jüdische Motive übersetzen wir auch in ein Krippenspiel“, erklärt Begrich – mit Sarah Connor als mariensanfter Mutter eines vaterlosen Schnullerbabys, der zum Erlöser der Menschheit werden soll.

Was reizt den Regisseur an „Terminator 2“? „Die Beziehungen der Figuren sind komplexer als in den anderen Teilen. Die Ersatzfamilie des T-800 interessiert mich: Sarah wirkt wie eine Frau, die ihrem neuen Mann, der der T-800 ist, Verantwortungslosigkeit vorwirft. Und der T-1000 fühlt sich wie der Ex-Mann von Sarah. Er will in die Familie, die lassen ihn aber nicht rein, der T-800 ballert ihn mit Schrotflinten nieder. Das ist eigentlich eine Scheidungsgeschichte und Beziehungstragödie.“

Das klingt sehr ernst. Loycke: „Ja, wir wollen mit unserer trashigen Kunstform in dieser holzschnittartigen Handlung auch tiefsinniges Zeug ansprechen.“ Welches denn noch? „Inwieweit Wissenschaftler verantwortlich dafür sind, was mit ihren Erfindungen gemacht wird.“ So wie Friedrich Dürrenmatts „Physiker“ über die Ethik des Forschens debattieren? „Richtig, nur bei dem Stück denken alle, sie gehen nicht zum Spaß ins Theater, sondern zum Lernen in die Schule. Mit dem Terminator können wir das Thema auf komische Art unterjubeln. Bei uns kommt auch der berühmte Satz von Dürrenmatt vor: ’Was einmal gedacht ist, kann nicht mehr zurückgenommen werden.‘“

Die Rechte am Titel und Stoff waren Anfang der 90er-Jahre 15 Millionen Dollar Wert. Wie viel musste das Staatstheater Hannover zahlen, unter dessen Dach Das Helmi das Stück produziert hat? Loycke: „Nichts. Ich hoffe wir schaffen es bis zur Premiere, nicht entdeckt zu werden. Wir spielen ja auch nicht den Film ab oder nach, wir machen zum Thema ein eigenes Stück, eine surreale Satire auf die Geschichte. Muss man dafür Geld bezahlen? Wir denken: nein.“

Premiere: 17. Januar, Ballhof Eins, Hannover
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