• 30.11.2014

was fehlt ...

... das Nikotinpflaster

Wer fängt eigentlich einen starken Mann auf, wenn er in Ohnmacht fällt? So einen wie Helmut Schmidt zum Beispiel. So einen „Macher"-Typen. Wahrscheinlich niemand. Und schon gar nicht in den 70er Jahren, einer Zeit, in der Schmidt den Prototypen dieses starken, unnahbaren Mannes verkörperte. Was bisher keiner wusste, der Kanzler fiel in seiner Amtszeit bis zu 100 Mal in Ohnmacht. Das erzählte Schmidt nun der Wochenzeitung Die Zeit. „Ich bin nie ganz gesund gewesen“, erklärte der 95-jährige Altkanzler, der mittlerweile schon seinen fünften Herzschrittmacher hat. Um mögliche Ursachen für seinen Gesundheitszustand zu finden, muss man sich nur eine Talkshow mit Schmidt ansehen. Hier verschwand sein Gesicht regelmäßig hinter dicken Rauchschwaden. Mindestens 40 Zigaretten rauchte er am Tag. (Und raucht er noch.) Aber gut, die 70er, da haben selbst Ärzte mit Fluppe im Mundwinkel operiert und Nikotinpflaster waren auch noch nicht erfunden. Helmut Schmidt macht deshalb den Stress des Kanzler-Daseins für seine Ohnmacht verantwortlich: „Wir wissen nicht, wie gesund die letzten Bundeskanzler waren oder wie gesund Frau Merkel ist. Und es interessiert uns auch nicht.“ Den Menschen hinter dem Politiker sähen nämlich nur die wenigsten. Und schon mit 50 hätte der Altkanzler gespürt, wie sehr ihm der Druck des Politikerlebens körperlich zusetzte. Kanzlersein ist eben kein Ponyhof, und deshalb sei ihm auch die eine oder andere Zigarette gegönnt. (chs)