Ein Volleyball-Traum: Die Zwei-Stunden-Welt

Das Bundesliga-Team der SVG Lüneburg könnte es am Sonntag ins Pokalfinale schaffen. Die Vereinsmitarbeiter, die Fans und der Bürgermeister sind aus dem Häuschen.

Der Schweiß soll zu riechen sein: Die Volleyballer der SVG Lüneburg legen Wert auf Nähe. Bild: Michael Behns

Viel Platz ist nicht. Der Raum misst vielleicht zwölf Quadratmeter und wird über eine Wendeltreppe erreicht. Ein Tisch, sechs Stühle, zwei Computer und noch einige Pokale, Wimpel, Maskottchen und Erinnerungen an eine Zeit, als die besten Volleyball-Männer der SVG Lüneburg noch über die Dörfer tingelten.

Andreas Bahlburg empfängt in der winzigen Geschäftsstelle des Vereins mit einem Lächeln. Der 55 Jahre alte SVG-Vorsitzende, der in Personalunion Geschäftsführer und Teammanager ist, ist stolz: „Die Nachfrage ist gigantisch. Es ging zu wie im Taubenschlag. Die Mädels unten hatten gut zu tun. Und das Spiel ist ausverkauft, wie zuvor schon alle anderen in der Bundesliga.“

Die Spielgemeinschaft Volleyball Gellersen Lüneburg steht ein halbes Jahr nach dem Aufstieg in die Eliteliga vor einem großen Erfolg: Wenn am Sonntag ab 18 Uhr im Halbfinal-Heimspiel des DVV-Pokals gegen Düren ein Sieg gelänge, würde ein Traum Wirklichkeit. Lüneburg stünde am 1. März im Stadion von Halle/Westfalen, dem Sehnsuchtsort im deutschen Volleyball, im Endspiel um den Pokal – vor mehr als 10.000 Zuschauern. Zu Hause spielte das Team von Trainer Stefan Hübner vor 800 Fans.

Eine kleine Stadt im Volleyball-Fieber – getrieben von der Hoffnung darauf, zwischen Weihnachten und Silvester etwas Außergewöhnliches zu schaffen. Und es könnte auch noch besser kommen in dieser so phänomenalen Saison. Lüneburg im Europapokal – das ist nicht so abwegig. Zwei Chancen hat der Klub dazu: Im Pokal müsste er noch zwei Spiele gewinnen und als Tabellensiebter ist der dazu nötige fünfte Rang in Reichweite. Zuletzt gab es ein 3:2 bei CV Mitteldeutschland.

„An den Europapokal mag ich noch gar nicht denken. Das alles überrollt uns im Moment“, sagt Bahlburg. Er genießt aber, was gelungen ist. Die SVG Lüneburg ist zu einem Imageträger der Stadt geworden. Direkt nach der ARD-Telenovela „Rote Rosen“ kommen die Volleyballer. „Wir haben es geschafft, dass wir im Volleyball in unserer Region die Top Eins sind, und das unangefochten. Wir strahlen von Kiel bis nach Hannover aus.“

Dabei legt der Klub, der im Sommer einen im Ligavergleich niedrigen 320.000-Euro-Etat stemmte, Wert auf Bodenhaftung. „Wir haben noch die selbst gemachten Frikadellenbrötchen. Bei uns kann man auch dem Aufschläger fast auf die Schulter klopfen, man riecht den Schweiß. Es ist unser Ziel, dass die Fans sagen: ,Wir tauchen jetzt ein in unsere Zwei-Stunden-Welt, dann sind wir eins mit euch.‘ Unsere Fans lassen sich dann gehen, die klatschen wie blöd in die Klatschpappen, denken nicht viel und singen mit“, sagt Bahlburg.

Auch Oberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD) hat die Begeisterung bei den Heimspielen schon erlebt. „Der Verein ist ein Sympathieträger, er hat sich sportlich hochgearbeitet, wird solide geführt, steht finanziell gut da. Und er hat eine Marktlücke gefunden“, sagt Mädge.

Die SVG ist auch zum Zugpferd bei Infrastruktur-Maßnahmen der Stadt geworden. Dass Anfang 2016 der Spatenstich zum Bau einer Großsporthalle erfolgen soll, ist in erster Linie den Leistungen der Volleyballer zu verdanken. Für die SVG ist es eine zwingende Notwendigkeit. Die Volleyball-Bundesliga schreibt eine Deckenhöhe von neun Metern vor. In der jetzigen Spielstätte, der Gellersenhalle in Reppenstedt, sind es an vielen Stellen nur acht Meter. Noch genießt die SVG eine Ausnahmegenehmigung durch die Liga.

Wegen der niedrigen Hallendecke trat im Sommer Trainer Michael Merten von seinem Amt zurück. Sein Nachfolger Stefan Hübner ist da entspannter: „Hier bewegt sich etwas, da sind so viele Leute mit Herzblut dabei. Es ist aber auch wichtig, dass die neue Halle kommt, dass hier Weichen gestellt werden.“

Hübner ist ein Name im deutschen Volleyball. Er kann 245 Länderspiele vorweisen, war Profi in Italien und vierfacher Volleyballer des Jahres. Dass es der SVG gelungen ist, ihn nach Lüneburg zu locken, zeigt nur, was der Klub noch vorhat.

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