KARIM EL-GAWHARY ÜBER DIE DROHUNGEN DES ÄGYPTISCHEN MILITÄRS

Ein Putsch – nichts anderes

Die Lage in Ägypten wäre mit dem Wort „komplex“ falsch beschrieben. Sie ist komplizierter. Gleich mit zwei Ultimaten ist der von den Muslimbrüdern stammende Präsident Mohammed Mursi angezählt. Zunächst hatte ihm die Rebellenbewegung Tamarud bis Dienstagnachmittag Zeit zum Rücktritt gegeben. Dann meldete sich Ägyptens Militär zu Wort und gewährte beiden Seiten 48 Stunden, um die politische Krise zu lösen. Ansonsten würden die Streitkräfte ihren eigenen Fahrplan durchsetzen.

Auch wenn die Militärführung betont, dass es sich dabei nicht um einen Staatsstreich handelt: seinen eigenen Fahrplan durchzusetzen bedeutet einen Putsch und nichts anderes. Viele der Tamarud-Demonstranten begrüßen die Schützenhilfe des Militärs.

Und doch ist es ein Unterschied, wer dem Präsidenten das Vertrauen entzieht. Ist es die Straße mit Massendemonstrationen, ist es etwas anderes, als wenn es die Generäle tun. Geschieht beides gleichzeitig, dann haben wir eine Situation wie jetzt in Ägypten. Die Frage ist: Unterstützt das Militär das Volk, oder nützt es die Demonstrationen aus, um seine eigenen Interessen durchzusetzen? Stiehlt also das Militär die Revolution zum zweiten Mal, wie es das nach dem Sturz Mubaraks mit der Herrschaft des Obersten Militärrates getan hat? Eine Militärführung als Bündnispartner gegen die Islamisten sollte jedenfalls mit Vorsicht genossen werden.

Und bei all dem darf man nicht vergessen, dass die Muslimbrüder stark sind. Vielleicht nicht stark genug, um nun ihren Präsidenten zu halten, aber sicher stark genug, um Ägypten ins Chaos zu stürzen.

Die Warnung von Seiten der Muslimbrüder, dass ein Staatsstreich gegen Mursi nur über ihre Leichen laufen werde, ist daher ernst zu nehmen. In die Ecke gedrängte Muslimbrüder können Ägypten gefährlich werden.

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