ANNE HAEMING DER WOCHENENDKRIMI

Biep, biep, biiiieeep

Erinnert sich noch jemand an diese phänomenale Szene in „Kill Bill 2“, als Uma Thurman in einem Sarg lebendig begraben liegt und sich mit präzisen Faustschlägen – immer rums, rums, rums – blutig bis auf die Knochen zu den Western-Trompeten von Ennio Morricone durch die Holzwand nach oben boxt durch die Erde an die Luft?

An diese fünf Minuten muss man anderthalb Stunden lang denken, wenn man sich „Buried – Lebend begraben“ vom relativ unbekannten spanischen Regisseur Rodrigo Cortés anschaut.

Statt Uma Thurman liegt leider nur Schmonzettenheld Ryan Reynolds im Sarg, er spielt den Trucker Paul Conroy, der während eines Jobs im Irak gekidnappt wurde und, nun ja, in einer Kiste unter der Erde landet. Mit einem Feuerzeug, einem Stift und einem fremden Handy. Und der irgendwie da wieder rauswill. Logo.

Es ist ein Einpersonenkammerstück, dessen Versuchsanordnung das Zeug hätte, existenzielle Beklemmungsgefühle hervorzurufen. Aber man sieht halt die ganze Zeit nur Mister Babyface Reynolds, der endlich mal eine ernste Rolle abgekriegt hat – und nicht den zu Tode geängstigten Trucker Paul. Da hilft auch nicht, dass ihm Schweiß übers dreckige Gesicht rinnt, dass er brüllt wie ein angestochenes Schwein und nicht rafft, dass er so nur Sauerstoff verbraucht.

Trotzdem: Wer gruselige Versuchsanordnung mag, hat seinen Spaß. Eine Kiste, komplette Dunkelheit, zwischendurch nur das Atmen des armen Wichts. Der sich von seinem irakischen Loch aus vom FBI bis zu seinem Boss durch alle US-Instanzen telefoniert, um gerettet zu werden oder irgendwen dazu zu kriegen, Lösegeld zu zahlen.

Am meisten Mitgefühl hat man allerdings, wenn man die „Auf Leben und Tod“-Situation als Handybesitzer wiedererkennt. Wenn er wieder in einer Warteschleife landet, nur der AB rangeht, langsam die Akku-Balken schwinden. Oder, oh Gott, wenn der Empfang ganz stirbt.

„Buried – Lebend begraben“; So., 23.15 Uhr, ProSieben