DER RECHTE RANDWARUM DIE NPD AUSGERECHNET IN HAMBURG-HARBURG WAHLKäMPFT

Eine aussichtsreiche Bühne

Schon die Ankündigung sorgte für Proteste: Am 29. Januar will die Hamburger NPD auf dem Seeveplatz im Stadtteil Harburg eine Wahlkampfkundgebung abhalten. Unter dem Motto „Mit kriminellen Ausländern kurzen Prozess machen“ sollen etwa 50 Kameraden auflaufen, erwartet Thomas Wulff, NPD-Bundesvorstandsmitglied und Kreisvorsitzender in Hamburg-Bergedorf.

Der Termin sei nicht bloß wegen der anstehenden Bürgerschaftswahl gewählt worden, mutmaßt ein Sprecher des Hamburger Bündnisses gegen Rechts: „Einen Tag später, am 30. Januar erinnern Nazis gerne an die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler“. Insgesamt sechs Kundgebungen und mehrere Infostände gegen den NPD-Aufmarsch sind angemeldet worden. Für dessen Verbot sieht der Harburger Bezirksamtschef Torsten Meinberg (CDU) keine juristische Chance.

Ihre Bühne hat die NPD nicht zufällig gewählt: In Harburg fand im Juli 2010 nach mehreren, teils spektakulären Vorfällen eine Mahnwache „Gegen Gewalt in Harburg“ statt, an der rund 600 Menschen teilnahmen. Und bei der auch ausländerfeindliche Sprüche gerufen wurden. Eben dieses vermeintliche Potenzial möchte die NPD offenbar nutzen – immerhin erfuhr bei den Bürgerschaftswahlen 2001 auch der spätere Innensenator Schill in Harburg großen Zuspruch: 27,4 Prozent.

Und so tritt, auf Platz 2 der NPD-Landesliste, auch das ehemalige Schill-Parteimitglied Björn Neumann an. Worauf die NPD offenbar geradezu stolz ist: Sie weist im Internet auf des Kandidaten politische Vergangenheit hin. Zumindest in Teilen: Von Schills Partei wechselte Neumann erstmal zur DVU. Ganz früher war er auch mal CDU-Mitglied, wegen Helmut Kohl.

Bisher trat Neumann selten in der Öffentlichkeit auf. Vielleicht spricht er nun in Harburg. Die Polizei bereitet sich auf einen Großeinsatz vor.

Hinweis: ANDREAS SPEIT arbeitet als freier Journalist und Autor über die rechte Szene nicht nur in Norddeutschland