KURZKRITIK: „DIE WAHRHEIT“, ST. PAULI THEATER

Ein wahres Lustspiel

Florian Zeller – den Namen sollte man sich merken. Gerade mal 31, hat der Franzose bereits mehrere Romane und vier Theaterstücke veröffentlicht. „La Vérité“ wurde im Januar in Paris uraufgeführt, einen Monat später schon präsentierte nun das St. Pauli Theater „Die Wahrheit“ als deutschsprachige Erstaufführung. Autor Zeller war eigens an die Elbe gekommen und konnte begeisterten, nicht enden wollenden Beifall verbuchen. Zu Recht.

Michel betrügt seine Frau mit Alice. Alice hat die ewige Lügerei satt und droht alles ihrem Mann Paul zu beichten – Michels bestem Freund. Michel plädiert für die Lüge – aus Rücksicht auf Paul. Von dieser Ausgangslage wird das gesamte Gespinst von Lüge und Betrug systematisch durchkämmt: Jeder haut jeden übers Ohr oder wäre zumindest fähig dazu.

Es wurde aber nicht nur viel gelacht: Regisseur Ulrich Waller und sein glänzendes Ensemble, das sich sichtlich vom Publikumsgelächter anfeuern ließ, arbeiteten auch die Tiefendimension der Komödie heraus: Es geht um Selbstbetrug. Die Quintessenz: Obwohl wir es besser wissen, verschließen wir die Augen, um unsere Ruhe zu haben.

Unterhaltung und Tiefgang, Aktualität und Tradition, dazu erstklassige Rollen: Das vierköpfige Ensemble spielte makellos, spitzenmäßig Herbert Knaup: Wenn er zeigt, wie Michel – der Betrüger – sich ehrlich empört, wenn er selbst betrogen wird, ist ein Höhepunkt der Komödie erreicht. Diese „Wahrheit“ ist die Wahrheit über die Lüge, ein Lustspiel in des Wortes verwegenster Bedeutung. ULRICH FISCHER

nächste Vorstellungen: heute, morgen und Samstag, jeweils 20 Uhr, Sonntag, 19 Uhr, St. Pauli Theater