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Alter Kämpfer für den Klimaschutz

Yvo de Boer ist mit der Materie vertraut. Der Chef des Sekretariats der Klima-Rahmenkonvention (UNFCCC) hat sein Amt zwar erst vor drei Monaten übernommen, mit dem Klimawandel beschäftigt er sich aber schon seit mehr als zehn Jahren. Der Mann, dessen Aufgabe es ist, die Verhandlungsfäden bei der gestern gestarteten Klimakonferenz in Nairobi zusammen zu halten, weiß, was er zu tun hat.

Bei der Vertragsstaatenkonferenz 2002 in Delhi führte er die Delegation der Niederlande. 2004 in Buenos Aires leitete er die Verhandlungen der EU. Er war Vizepräsident der Vertragsstaatenkonferenz und ist Mitglied in einem halben Dutzend internationalen Umweltgremien, zum Beispiel dem umweltpolitischen Komitee der OECD.

Umweltschützer bescheinigen dem 52-Jährigen hohe Glaubwürdigkeit. Er verfolge zwar „manchmal eine sehr eigenwillige Linie“, sagt die Vertreterin einer großen Umweltorganisation. De Boer habe aber stets im Dienste der Sache, des Klimaschutzes, gehandelt.

Der 52-jährige Vater dreier Kinder hat mit dem Getriebe nationaler Regierungsapparate so viel Erfahrung wie mit den Vereinten Nationen. Bevor er das Sekretariat übernahm, leitete er die Abteilung für Internationale Angelegenheiten im niederländischen Ministerium für Wohnungsbau, Raumplanung und Umwelt. Dort hatte er sich schon mit dem Umweltschutz, dem Klimawandel und der Siedlungspolitik befasst. Das nötige Vorwissen brachte der studierte Sozialarbeiter und Bewährungshelfer von der UNO mit, für deren Siedlungsprogramm „Habitat“ er in einer frühen Phase seiner Karriere arbeitete. Unter anderem fungierte er als siedlungspolitischer Berater in Kenia.

Mag sein, dass ihn die Erfahrungen, die er dort machte, besonders für die Probleme der Dritten Welt sensibilisiert haben. De Boer setzt sich jedenfalls schon länger dafür ein, die vom Klimawandel besonders betroffenen armen Länder zu unterstützen. Als EU-Verhandlungsführer kündigte er an, die Europäer würden mindestens 2,5 Milliarden Euro in Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern investieren und dadurch 500 Millionen Tonnen Kohlendioxid einsparen.

Hintergedanke ist, dass es effizienter sein kann, in wenig entwickelten Ländern Uralttechnologien abzulösen, als mit derselben Summe moderne Technik in Industrieländern umweltfreundlicher zu gestalten. „Gegenwärtig reichen die finanziellen Ressourcen, die Entwicklungsländern zur Verfügung gestellt werden, nicht aus, um die von der UN-Klimakonvention und dem Kioto-Protokoll geforderten Anpassungsprozesse zu gewährleisten“, sagte er im Vorfeld der Konferenz von Nairobi. GERNOT KNÖDLER