: Daimler-Bilanz: Heute trübe, morgen heiter
■ Nach über fünf Milliarden Rekordminus kündigt Vorstandschef Schrempp „weitere gravierende Entscheidungen“ an, um in die Gewinnzone zu kommen
Stuttgart (AP) – Nach dem Rekord-Defizit von 5,7 Milliarden Mark 1995 sieht die Daimler-Benz AG die Geschäftsaussichten für 1996 voller Optimismus. Der Stuttgarter Konzern konnte im ersten Quartal 1996 den Umsatz um sieben Prozent steigern. In diesem Jahr erhalten die Aktionäre wegen des hohen Defizits aus 1995 erstmals seit 45 Jahren keine Dividende.
Milliardengräber sind das Luft- und Raumfahrtunternehmen Daimler-Benz Aerospace AG (Dasa), zu dem bislang auch der hochverschuldete niederländische Flugzeugbauer Fokker gehörte, sowie die AEG. Dasa belastete die Daimler-Bilanz mit einem Minus von 4,18 Milliarden Mark am stärksten (Umsatz: 15,04 Milliarden). Ende 1995 waren bei der Dasa noch 50.784 Mitarbeiter beschäftigt, 5.000 weniger als ein Jahr zuvor. Bei der AEG erhöhte sich der Jahresfehlbetrag von 357 Millionen 1994 auf 2,26 Milliarden Mark. Die Belegschaft wurde um fast 3.000 auf 49.432 Mitarbeiter verkleinert. Wichtigste Ertragsstütze bei Daimler ist weiter die Automobilsektion Mercedes- Benz, die 1995 ein Plus von 2,28 Milliarden einfuhr, 426 Millionen mehr als 1994. Auch der Umsatz konnte von gut 70 auf 72,03 Milliarden gesteigert werden. Dazu trug vor allem das gute Geschäft mit Nutzfahrzeugen bei.
Die Berliner Dienstleistungstochter Debis baute ihren Jahresüberschuß von 86 auf 91 Millionen Mark aus und steigerte den Umsatz um neun Prozent auf 11,78 Milliarden und beschäftigte Ende 1995 knapp 10.200 Mitarbeiter.
Insgesamt blieb der Umsatz des Daimler-Konzerns 1995 mit 103,55 Milliarden Mark nahezu unverändert. Das Jahresergebnis stürzte dagegen von einem leichten Plus von 895 Millionen auf das Rekordminus von 5,73 Milliarden Mark. Weltweit beschäftigte der Konzern Ende 1995 noch 310.993 Mitarbeiter. Ende März 1996 waren es nur noch 292.478 Arbeitnehmer.
Schrempp würdigte die Aufgabe von Fokker und AEG sowie die Entlassungen bei der Dasa als Strategie zur Trennung von Verlustquellen. Die Weichen für die Rückkehr in die Gewinnzone seien gestellt. Allerdings müßten 1996 weitere gravierende Entscheidungen gefällt werden, damit wieder eine akzeptable Rendite ausgewiesen werden könne.
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