KURZKRITIK: „ELTERN“, SCHAUSPIELHAUS

Gelungener Liederabend

Franz Wittenbrink gelingt mal wieder die Quadratur des Kreises: Heiterkeit und Ernst, Unterhaltung und Niveau verschmilzt er bei seinem jüngsten Liederabend wie mühelos miteinander.

Die erste Szene spielt bei der Schwangerschaftsgymnastik, die letzte im Altersheim. Dazwischen folgen stolze 36 Nummern, gesungen von neun Schauspielern und begleitet von einer fünfköpfigen Band, die, am Flügel, Wittenbrink leitet. Und der beherrscht alles: von der subtilen Begleitung übers romantische Kunstlied zum Ohren wegfegenden Rock.

Seine Schauspieler erweisen sich als großartige Sänger zwischen Volkslied und Rap, Schnulze und Chanson. Sie typisieren Gestalten, die einen Querschnitt durch die Gesellschaft geben: vom mittellosen Pechvogel, dessen Freundin ein ungewolltes Kind erwartet, bis zum besseren Herrn, der seiner schwangeren Frau Mozart vorspielt – und Chinesisch, damit das Kind schon im Mutterleib Vorsprung vor den anderen habe.

Denn Konkurrenz ist das zentrale Thema: Die Eltern hetzen ihre Kinder aufeinander, jedes soll den Altersgenossen im Wettbewerb besiegen: „Mein Kind/Ist geiler als dein Kind!“, singen sie wutentbrannt gegen- und miteinander. Es ist kein Glück, solche Eltern zu haben.

Der Abend erzählt vom Verrinnen der Zeit. Und von der Gefahr, Kinder dadurch zu überfordern, dass man in ihnen den (einzigen) Sinn des Lebens erblickt. Die Botschaft ist klar: Ohne die Konkurrenz zu überwinden, ist kein lebenswertes Leben möglich – nicht für die Kinder, nicht für die Eltern. ULRICH FISCHER

nächste Aufführung: Samstag, 20 Uhr, Schauspielhaus