DER RECHTE RAND WARUM DIE NPD IN HAMBURG KEINEN WAHLERFOLG VERBUCHTE

Drastik und Querelen

„Wir sagen Danke!“, heißt es auf der Internet-Seite und dem Facebook-Profil der Hamburger NPD. „Eine Wahlanalyse wird nach der Bekanntgabe des amtlichen Ergebnis folgen“, verspricht der Hamburger Landesverband um den Vorsitzenden Thomas Wulff mit Blick auf die Bürgerschaftswahl am vergangenen Wochenende. Drei Tage später steht auch seitens der NPD-Bundesspitze jede Analyse aus.

Viel erhofft hatte sich die Hamburger NPD mit ihrem Spitzenkandidaten Lennart Schwarzbach ohnehin nicht. Aber 0,3 Prozent der Stimmen – in absoluten Zahlen: 11.286 – dürften noch unter dem Erwarteten liegen. Bei der Wahl 2011 hatten noch 0,9 Prozent bei der NPD ihr Kreuz gemacht, macht 30.648 Stimmen.

Einen sonderlich engagierten Wahlkampf haben die Hamburger diesmal nicht geführt, auch die Parteispitze um Frank Franz half kaum – vielleicht, weil Franz den Hamburger Wulff bereits aus der Partei schmeißen wollte: Dieser hatte sich 2014 als „Nationalsozialist“ bezeichnet. „Geht gar nicht“, fand Franz, Wulffs Ausschluss stoppte das NPD-Landesschiedsgericht.

Das jüngste Ergebnis ist aber nicht bloß internen Querelen geschuldet. Der NPD habe „die neue Konkurrenz zu schaffen“ gemacht, schätzt Kay Seligmann vom Hamburger Mobilen Beratungsteam gegen Rechtsextremismus: Immer wieder attackierten Wulff und Schwarzbach die AfD als „Einheitspartei“, die Zuwanderung und „Islamisierung“ nicht stoppen werde.

Auffällig ist, dass in den Stadtteilen, in denen die NPD bereits erfolgreicher war, nun die AfD Ergebnisse über ihrem hamburgweiten Endergebnis von 6,1 Prozent erzielte. „Zwei Drittel der Stimmen der AfD kamen von der NPD“, sagt Seligmann. Der NPD mit ihrem allzu expliziten Vorsitzenden gelang es offenbar nicht, ungefestigte Ressentiment-Wähler zu erreichen.

ANDREAS SPEIT ■ arbeitet als freier Journalist und Autor über die rechte Szene nicht nur in Norddeutschland